RedDot – Zwei Generationen Craft Beer in Singapur

Crystalla Huang war ungefähr sieben Jahre alt, als Bier begann, zu ihrem Leben zu gehören. Nicht in dem Sinne, dass sie es trank. Ihr Vater Ernest Ng hatte angefangen, zu Hause Bier zu brauen, und seine Tochter war dabei. Sie half beim Schroten des Malzes, warf Getreide in den Topf und begleitete ihn zu Treffen der damals noch winzigen Homebrew-Szene Singapurs.

Wenn Crystalla heute von dieser Zeit erzählt, klingt das nach einer anderen Bierwelt. Auf der einen Seite standen die großen kommerziellen Brauereien, auf der anderen eine überschaubare Gruppe von Menschen, die zu Hause experimentierten. Dazwischen gab es wenig. Craft Beer war in Singapur noch kein Begriff, mit dem sich eine größere Zahl von Konsumenten identifizierte, und die kleine professionelle Szene, die langsam entstand, war stark von Expats geprägt.

Ernest Ng war keiner von ihnen.

Als ich seine Tochter für Bierweltreisen nach den Anfängen von RedDot frage, beginnt ihre Geschichte deshalb auch nicht mit der Eröffnung der Brauerei. Sie beginnt etwa zehn Jahre früher, 1997, als ihr Vater das Homebrewing für sich entdeckte. Das kommerzielle RedDot BrewHouse entstand erst 2007. Crystalla war damals 16 Jahre alt und half inzwischen selbst beim Brauen. Heute steht sie als Brauerin und Destillateurin der zweiten Generation hinter RedDot; ihre spätere Ausbildung führte sie unter anderem an die VLB nach Berlin.

Damit erzählt RedDot eine für die noch junge Craftbeer-Kultur Singapurs ungewöhnliche Geschichte. Hier geht es nicht nur um eine Brauerei, die seit fast zwei Jahrzehnten existiert. Es geht um einen Vater und seine Tochter – und darum, wie sich zwischen diesen beiden Generationen auch die Bierkultur eines ganzen Landes verändert hat.

Als ein Singapurer anfing, sein eigenes Bier zu brauen

Die Jahreszahlen 1997 und 2007 muss man auseinanderhalten. Ernest Ng begann 1997 mit dem Homebrewing; RedDot BrewHouse selbst wurde 2007 als kommerzieller Betrieb etabliert.

Das ist auch deshalb wichtig, weil RedDot nicht die Geschichte für sich beanspruchen kann, Craft Beer nach Singapur gebracht zu haben. Brewerkz braute beispielsweise bereits seit 1997 kommerziell. Die Besonderheit liegt an anderer Stelle: Mit Ernest stand ein einheimischer Brauer hinter RedDot.

Crystalla erinnert sich daran, dass ihrem Vater durchaus Skepsis begegnete. Konnte ein Singapurer überhaupt gutes Bier brauen? Heute klingt die Frage merkwürdig. Inzwischen existiert im Stadtstaat eine vielfältige lokale Brauerszene, in der Singapurer selbst an Tanks stehen, eigene Marken aufbauen und miteinander kooperieren. Vor zwei Jahrzehnten war das keineswegs selbstverständlich.

Auch bei den Gästen musste sich die Wahrnehmung erst verändern. Crystalla erzählt von Menschen, die nach der Eröffnung zu RedDot kamen und nach Tiger oder Heineken fragten. Manche wollten das Bier, das dort selbst gebraut wurde, nicht einmal probieren. Heute sei die Erwartung nahezu umgekehrt: Wer einen Brewpub oder eine Craftbeer-Bar besucht, kommt gerade deshalb, weil er deren Bier kennenlernen möchte.

Besonders stolz ist sie darauf, dass RedDot einen hohen Anteil einheimischer Gäste habe. Aus einem Produkt, bei dem ein lokaler Brauer anfangs erklären musste, warum man es überhaupt probieren sollte, ist ein selbstverständlicher Teil der gastronomischen Landschaft geworden.

Bis dahin war es allerdings ein ziemlich steiniger Weg.

Wenn die kleine Brauerei genauso viel zahlt wie die große

An die regulatorischen Bedingungen der Anfangsjahre erinnert sich Crystalla noch heute als enorme Belastung. In unserem Gespräch nennt sie jährliche Lizenzkosten von 80.000 bis 100.000 Singapur-Dollar. Die offiziellen historischen Unterlagen von Singapore Customs nennen zwar einen niedrigeren Betrag, bestätigen aber den Kern ihrer Erinnerung: Kleine Mikrobrauereien mussten zunächst dieselbe jährliche Lizenzgebühr bezahlen wie industrielle Großbrauereien.

Bis 2012 waren das 43.200 Singapur-Dollar pro Jahr.

Erst zum 1. April 2012 führte Singapore Customs eine eigene Kategorie für Brauereien mit einer Jahresproduktion von weniger als 1,8 Millionen Litern ein. Für sie sank die jährliche Gebühr auf 8.400 Singapur-Dollar. Das bedeutete eine Entlastung von 34.800 Dollar pro Jahr.

Für die Geschichte von RedDot ist besonders interessant, wer in der damaligen offiziellen Veröffentlichung von Singapore Customs zu Wort kam: Ernest Ng selbst. Der RedDot-Gründer begrüßte die neue Lizenzkategorie ausdrücklich als gerechter und erklärte, dass Mikrobrauereien das eingesparte Geld besser in Forschung und Entwicklung sowie in die Verbesserung der Qualität ihrer Produkte investieren könnten.

Damit bekommen Crystallas Erinnerungen einen historischen Rahmen. Es ging für die erste Generation singapurischer Craftbrauer nicht nur darum, Menschen von einem unbekannten Produkt zu überzeugen. Sie mussten in einem kleinen und teuren Markt ein Unternehmen aufbauen und gleichzeitig unter regulatorischen Bedingungen arbeiten, die zunächst kaum zwischen einer Mikrobrauerei und einem industriellen Produzenten unterschieden.

Vielleicht erklärt das auch, warum RedDot von Anfang an mehr sein musste als eine Brauerei.

In Asien gehören Essen und Trinken zusammen

Crystalla macht dazu in unserem Gespräch eine interessante kulturelle Beobachtung. In Europa oder Nordamerika könne man sich zunächst zum Bier treffen und anschließend irgendwo anders essen. In vielen Teilen Asiens seien Essen und Trinken wesentlich enger miteinander verbunden.

Für RedDot wurde das Brewpub-Modell deshalb zu einem wesentlichen Bestandteil des Geschäfts. Das heutige RedDot in Dempsey Hill ist nicht nur Brauerei, sondern Restaurant und Treffpunkt. Die Gastronomie schafft dabei nicht nur einen zusätzlichen Umsatzstrom. Sie gibt dem Bier einen Kontext. Menschen müssen nicht bewusst in eine spezialisierte Craftbeer-Bar gehen, sondern können beim Essen ein lokal gebrautes Bier kennenlernen. Gerade in den Anfangsjahren dürfte das wichtig gewesen sein, als RedDot Gäste teilweise noch davon überzeugen musste, statt einer bekannten internationalen Marke überhaupt das Bier aus den eigenen Tanks zu probieren.

Diese Verbindung von Küche und Brauerei bekommt bei RedDot noch eine weitere Bedeutung, denn Crystalla selbst brachte später einen kulinarischen Hintergrund in das Unternehmen ein. Genau dort beginnt sich die Geschichte der Tochter langsam von jener des Vaters zu unterscheiden.

Der Vater als „Mad Scientist“

Wenn Crystalla über Ernest spricht, beschreibt sie einen ausgesprochen technisch denkenden Menschen. Für ihren Vater bestand das Brauerhandwerk nie nur aus Rezepten. Ein Brauer müsse seine Anlage verstehen, Leitungen und Pumpen kennen, ein Leck beheben können und sich notfalls auch mit Elektrik und Mechanik beschäftigen.

Crystalla nennt ihn einen „mad scientist“.

Das passt zu einem Mann, der bereits zu Hause experimentierte, lange bevor eine lokale Craftbeer-Szene in Singapur wirklich existierte. Und es verhindert eine allzu einfache Geschichte über den Generationswechsel. Man könnte Ernest als traditionellen Brauer darstellen und seine Tochter als diejenige, die später plötzlich mit ungewöhnlichen Zutaten und neuen Aromen experimentierte.

Aber so war es nicht.

Die Lust am Experiment war bereits beim Vater vorhanden. Crystalla hat sie übernommen und mit ihrer eigenen Perspektive verbunden. Besonders schön lässt sich das am Monster Green Lager zeigen – einem der auffälligsten Biere RedDots und zugleich einem Bier, das für Crystalla ausdrücklich zu den Dingen gehört, die sie von der vorherigen Generation bewahren wollte.

Damit sind wir bei einem zentralen Gedanken ihrer Geschichte: Eine neue Generation muss nicht alles verändern, nur um zu beweisen, dass sie etwas Neues macht.

Aus dem Mädchen beim Homebrewing wird eine Brauerin

Crystallas eigener Weg begann praktisch zwischen den Gerätschaften ihres Vaters. Schon als Kind half sie beim Homebrewing, mit 16 arbeitete sie nach der Eröffnung von RedDot bereits beim Brauen mit. Später führte ihr Weg in die professionelle Ausbildung und schließlich an die VLB Berlin.

Der entscheidende Unterschied zwischen Vater und Tochter liegt vielleicht weniger in der Bereitschaft zum Experiment als in der Perspektive, aus der beide an Bier herangehen. Vom Vater übernimmt Crystalla das technische Denken und das Verständnis dafür, dass eine Brauerei auch aus Rohren, Pumpen und Anlagen besteht. Aus ihrem eigenen kulinarischen Hintergrund kommt ein stärkeres Interesse an Aromen und daran, wie unterschiedliche Zutaten miteinander funktionieren.

Tee, Kaffee, Holz oder tropische Früchte werden damit nicht einfach zu möglichst exotischen Zusätzen. Sie können wie Zutaten einer Küche gedacht werden.

Trotzdem hat Crystalla bewusst Biere ihres Vaters erhalten. Czech Pilsner, IPA und Monster Green Lager nennt sie ausdrücklich als Beispiele. Der Generationswechsel soll für sie keine Auslöschung dessen sein, was vorher da war. Vielmehr gehe es darum, das Alte und das Neue miteinander zu verbinden.

Das ist vermutlich der wichtigste Gedanke, um RedDot zu verstehen.

Die Tochter übernimmt nicht einfach eine Brauerei und macht daraus ihr eigenes Unternehmen. Sie bewahrt einen Teil der Handschrift ihres Vaters, übernimmt seine technische Neugier und entwickelt daraus etwas weiter, das er selbst begonnen hat.

Und dann ist da noch die Frage, wer eigentlich braut

Crystallas Geschichte besitzt allerdings noch eine zweite Ebene. Sie war nicht nur jung und asiatisch in einer Szene, die in ihren frühen Jahren stark von ausländischen Brauern geprägt war. Sie war auch eine Frau in einem Beruf, der bis heute überwiegend männlich besetzt ist.

Gerade deshalb ist ihre Position innerhalb der singapurischen Biergeschichte interessant. Sie musste nicht von außen in diese Welt hineinfinden. Sie war darin aufgewachsen. Sie kennt die Homebrew-Treffen ihres Vaters, die frühen Jahre des Brewpubs und die Zeit, in der Gäste nach internationalen Industriebieren verlangten. Gleichzeitig gehört sie zu einer Generation, für die eine lokale Craftbeer-Szene in Singapur längst Realität ist.

Wie sehr sich diese Szene verändert hat, zeigte sich 2025 auf eine Weise, die Ernest Ng Ende der 1990er-Jahre vermutlich kaum hätte vorhersehen können.

Acht Brauereien brauen gemeinsam gegen die Unsichtbarkeit an

Der Große Preis von Singapur gehört zu den international sichtbarsten Veranstaltungen des Stadtstaates. Ausgerechnet an den offiziellen Zapfhähnen der Rennstrecke waren die lokalen Craftbrauereien allerdings nicht vertreten.

Crystalla formuliert das im Gespräch ziemlich ungeschminkt: Heineken habe die lokalen Brauer vom F1-Circuit ausgeschlossen. Die öffentlich dokumentierte Darstellung ist vorsichtiger und spricht davon, dass die offiziellen Zapfhähne der Rennstrecke bereits vergeben waren.

Entscheidender als diese unterschiedliche Wahrnehmung ist jedoch, was anschließend geschah.

Zum ersten Mal schlossen sich acht unabhängige Craftbrauereien Singapurs für ein gemeinsames Bier zusammen: Brewerkz, RedDot, LeVeL33, Little Island Brewing, Lion Brewery, Ren Min, SevenDaze und The 1925. Gemeinsam entwickelten sie Beyond the Circuit, ein Tropical Lager mit Jasminreis, fünf Prozent Alkohol und Aromen von Passionsfrucht, Zitrus und Pinie.

Das Bier wurde während der Grand Prix Season in den beteiligten Taprooms ausgeschenkt. Crystalla gefällt an der Geschichte offensichtlich der rebellische Unterton. Wenn die lokalen Brauer schon nicht an den offiziellen Zapfhähnen der Rennstrecke vertreten waren, sollten Besucher eben außerhalb davon erleben können, wie ein gemeinsam entwickeltes Singapore Tropical Lager schmeckt.

Man kann diese Episode als nette Marketingaktion abtun. Interessanter finde ich aber, was zwischen ihr und den Anfängen von RedDot liegt.

Als Ernest mit dem Homebrewing begann, bestand die Szene aus einigen Enthusiasten. 2007 musste RedDot Menschen teilweise davon überzeugen, überhaupt ein lokal gebrautes Bier zu probieren. 2012 begrüßte Ernest eine Reform, weil kleine Brauereien bis dahin dieselbe Lizenzgebühr wie industrielle Produzenten zahlen mussten. Und 2025 konnten acht unabhängige Brauereien gemeinsam auftreten und ausdrücklich demonstrieren, dass Singapur inzwischen eine eigene Craftbeer-Community besitzt.

Damit stellt sich allerdings eine andere Frage.

Wie schmeckt Singapur?

Muss eine eigenständige Bierkultur irgendwann auch einen eigenen Bierstil hervorbringen?

Die Frage begleitet mich bei meiner Recherche zur Craftbeer-Szene Singapurs immer wieder. Pandan, Lychee, Jasminreis, Yuzu oder andere asiatische Zutaten können einem Bier eine lokale Geschichte geben. Aber ein Bier wird nicht automatisch singapurisch, nur weil man eine tropische Frucht hineingibt.

Crystallas Geschichte legt eine andere Antwort nahe.

Vielleicht beginnt eine eigene Bieridentität gar nicht mit einem neuen Stil, sondern mit den Menschen, die das Bier brauen.

Bei Ernest musste sich ein einheimischer Brauer noch gegen die Vorstellung behaupten, dass gutes Craft Beer in Singapur vor allem von Ausländern gebraut werde. Seine Tochter gehört bereits zu einer anderen Generation. Sie kann ein Czech Pilsner brauen und gleichzeitig mit Zutaten experimentieren, die aus ihrer kulinarischen Umgebung stammen. Beides widerspricht sich nicht.

Auch das gemeinsam entwickelte Beyond the Circuit ist dafür ein schönes Beispiel. Jasminreis macht daraus noch keinen neuen, weltweit definierten „Singapore Beer Style“. Aber acht lokale Brauereien entscheiden gemeinsam, welches Bier sie während eines der international sichtbarsten Ereignisse ihres Landes ausschenken wollen. Allein darin steckt bereits Identität.

Vielleicht muss Bier aus Singapur deshalb gar nicht nach einer bestimmten Zutat schmecken. Entscheidend ist vielmehr, dass inzwischen Menschen dort brauen, die nicht mehr erklären müssen, warum Singapur überhaupt eine eigene Bierkultur haben sollte.

Aus einer Brauerei wird eine Plattform

Auch RedDot selbst hat sich inzwischen weit über das ursprüngliche Brewpub hinaus entwickelt. Das Unternehmen bietet heute Contract Brewing sowie B2B- und OEM-Produktion für andere Marken an. Wer eine eigene Getränkemarke entwickeln möchte, muss also nicht zwangsläufig selbst Tanks, Abfülltechnik und eine komplette Brauerei anschaffen. RedDot kann diese Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Crystalla beschreibt das im Gespräch wesentlich weniger geschäftsmäßig. RedDot könne gewissermaßen „the cow“ sein – die Produktionsbasis, die andere nutzen, um ihre eigenen Ideen umzusetzen.

Das Bild ist ein wenig schräg, aber gerade deshalb gefällt es mir. Es zeigt, wie pragmatisch sie auf die Zukunft des Unternehmens blickt.

Dabei beschränkt sich diese Zukunft längst nicht mehr ausschließlich auf Bier. Auch die Destillation ist Teil der Entwicklung des Familienunternehmens geworden. Ernest und Crystalla beschäftigen sich inzwischen mit weiteren Getränkekategorien und verbinden das Wissen aus Brauen, Fermentation und Produktion mit der Herstellung von Spirituosen. Crystalla arbeitet heute entsprechend nicht nur als Brauerin, sondern auch als Destillateurin.

Auf den ersten Blick könnte man darin eine Entfernung von den eigenen Wurzeln sehen. Eigentlich scheint mir das Gegenteil der Fall zu sein. Ernest begann mit Neugier und Experimentierfreude. Genau dieses Prinzip wird in der nächsten Generation weitergeführt – nur sind die Möglichkeiten inzwischen erheblich größer geworden.

Survival of the fittest

Romantisch klingt Crystalla trotzdem nicht, wenn sie über die wirtschaftliche Zukunft von Craft Beer in Singapur spricht.

Der Markt bleibt klein und teuer. Mieten und Löhne sind hoch, Alkohol wird stark besteuert und importierte Biere konkurrieren mit den lokalen Produkten. Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten. Crystalla widerspricht der einfachen These, jüngere Menschen würden grundsätzlich kaum noch Alkohol trinken. Ein Teil des Konsums verlagere sich ihrer Beobachtung nach vielmehr nach Hause, weil Ausgehen und Trinken in der Gastronomie teuer geworden seien.

Für kleine Brauereien bedeutet das, sich immer wieder anzupassen.

Sie nennt es „survival of the fittest“. Überlebt hätten diejenigen, die gelernt haben, in schwierigen Zeiten schlanker zu werden und in besseren Phasen wieder zu wachsen.

Das ist eine bemerkenswert unsentimentale Beschreibung für jemanden, dessen Familiengeschichte so eng mit Craft Beer verbunden ist. Vielleicht passt sie aber gerade deshalb zu RedDot. Hinter der romantischen Vorstellung von der kleinen unabhängigen Brauerei stehen Tanks, Personal, Mieten, Steuern, Vertrieb und ein Markt, der niemandem garantiert, dass er morgen noch funktioniert.

Und wieder landet man damit bei Ernest und Crystalla.

Der Vater begann als Homebrewer, wurde professioneller Brauer und musste lernen, aus seiner Leidenschaft ein funktionierendes Unternehmen zu machen. Die Tochter übernimmt dieses Unternehmen nicht einfach, sondern erweitert dessen Möglichkeiten erneut.

Zwei Generationen später

Fast drei Jahrzehnte nachdem Ernest Ng zu Hause mit dem Bierbrauen begann, sieht Singapurs Bierwelt völlig anders aus.

Es gibt lokale Brauereien, Taprooms und gemeinsame Collaboration Brews. Eine Mikrobrauerei zahlt nicht mehr dieselbe Lizenzgebühr wie ein industrieller Großproduzent. Und wenn acht lokale Brauereien gemeinsam ein Bier für die Grand-Prix-Saison entwickeln, muss niemand mehr erklären, warum in Singapur überhaupt Craft Beer gebraut wird.

RedDot selbst besteht seit 2007. Ernest hatte zu diesem Zeitpunkt bereits etwa zehn Jahre mit dem Homebrewing experimentiert. Seine Tochter, die als kleines Mädchen beim Brauen dabei war und mit 16 im BrewHouse mithalf, führte ihr Weg später zur professionellen Brauerausbildung nach Berlin. Heute steht sie als Brauerin und Destillateurin der zweiten Generation hinter dem Familienunternehmen.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Besonderheit dieser Brauerei.

Brewerkz erzählt die Geschichte eines Pioniers, der nach vielen erfolgreichen Jahren erkennen musste, dass Beständigkeit irgendwann zum Stillstand werden kann. LeVeL33 zeigt, wie außergewöhnlich sich eine urbane Brauerei inszenieren und gleichzeitig technisch denken lässt. RedDot erzählt dagegen etwas, das in einer noch jungen Craftbeer-Nation wesentlich seltener ist: eine Geschichte über Generationen.

Der Vater war der technisch versessene Homebrewer und „mad scientist“. Die Tochter übernahm seine Neugier, verband sie mit kulinarischem Denken und professioneller Brauausbildung und führt das Unternehmen inzwischen über das reine Bierbrauen hinaus. Dazwischen veränderten sich Gesetze, Konsumenten und eine ganze Szene.

Crystalla bringt diese Entwicklung in unserem Gespräch schließlich auf einen sehr einfachen Satz:

„Change is the only constant.“

Veränderung ist die einzige Konstante.

Für eine Geschichte, die mit einem Mann beginnt, der 1997 zu Hause Bier braut, und knapp drei Jahrzehnte später bei seiner Tochter ankommt, die Bier braut, destilliert und anderen Getränkemarken ihre Produktionsmöglichkeiten zur Verfügung stellt, lässt sich das kaum besser zusammenfassen.