Zwischen Wiederkommen und Abschied – unsere letzten Wochen in Indonesien

Manchmal besteht Reisen nicht darin, immer weiterzuziehen. Manchmal ist es genauso schön, für einige Tage anzukommen, die Rucksäcke in eine Ecke zu stellen und morgens nicht darüber nachdenken zu müssen, was der Tag bringen soll.

Nach unserer ersten intensiven Zeit auf Java und der Überfahrt mit der Fähre nach Bali hatten wir genau das vor. Unsere Indonesien-Weltreise hatte uns in den vergangenen Wochen so viele Eindrücke beschert, dass sechs Tage ohne großes Programm plötzlich ausgesprochen verlockend klangen.

Was nach großem Luxus klingt, war erstaunlich günstig und für uns vor allem eines: wunderbar entspannend.

Nach all den Vulkanen, langen Fahrten und ständig neuen Eindrücken tat es gut, einmal nicht jeden Tag unterwegs zu sein. Wir schwammen, saßen am Meer, aßen gemeinsam und ließen die Tage einfach geschehen. Gerade auf einer langen Reise merkt man irgendwann, dass auch das Nichtstun seinen Platz braucht. Nicht als Unterbrechung des Reisens, sondern als Teil davon.

Ganz ohne Entdeckungstour ging es natürlich trotzdem nicht. Ein kurzer Abstecher führte mich weiter an die Nordwestküste Balis, in eine Region, die sich deutlich von den touristischen Zentren des Südens unterscheidet. Gerade hier begegnet einem noch ein Bali, in dem Landwirtschaft, Fischerei und kleinere Ortschaften das Bild prägen. Nebenbei führte mich dieser Ausflug zu Beaches Brewing Co., einer jungen unabhängigen Craftbrauerei, die ausgerechnet diesen vergleichsweise abgelegenen Teil Balis als Produktionsstandort gewählt hat. Daraus ist inzwischen eine ganz eigene Geschichte entstanden.

Doch nach sechs ruhigen Tagen wartete Java wieder auf uns.

Elf Stunden Java vor dem Zugfenster

Mit der Fähre setzten wir zurück nach Banyuwangi über und stiegen wenig später in den Zug. Rund elf Stunden lagen vor uns, doch Zugfahrten auf Java hatten für uns inzwischen ihren ganz eigenen Reiz entwickelt.

Während draußen Reisfelder, Dörfer und vulkanisch geprägte Landschaften vorbeizogen, konnten wir die Insel noch einmal aus einer Perspektive erleben, die auf der Straße leicht verloren geht. Immer wieder öffneten sich weite Blicke über Felder und Berge, dazwischen lagen kleine Ortschaften und Bahnhöfe. Menschen stiegen ein und wieder aus, während sich vor unserem Fenster für wenige Augenblicke Szenen des Alltags zeigten, die ebenso zu unserer Erinnerung an Java gehören wie die großen Sehenswürdigkeiten.

Spät am Abend erreichten wir schließlich Yogyakarta.

Und im Rückblick gehört die Stadt für uns zu den Orten auf Java, für die wir uns gerne noch etwas mehr Zeit genommen hätten.

Yogyakarta – eine Stadt, die bleibt

Yogyakarta gilt als eines der kulturellen Zentren Javas, doch solche Bezeichnungen klingen zunächst immer etwas abstrakt. Erst wenn man einige Tage dort verbringt, beginnt man zu verstehen, was damit gemeint sein könnte. Geschichte und Religion sind allgegenwärtig, gleichzeitig ist die Stadt jung, lebendig und erstaunlich entspannt.

Wir fühlten uns hier wirklich wohl.

Natürlich gehörten Borobudur und Prambanan zu den Höhepunkten unseres Aufenthalts. Der buddhistische Borobudur entstand im 8. und 9. Jahrhundert während der Herrschaft der Syailendra-Dynastie. Seine Architektur folgt buddhistischen Vorstellungen vom Universum: Von der Welt der Begierden führen die Ebenen symbolisch über die Welt der Formen bis hinauf in eine Sphäre der Formlosigkeit. Ganz oben stehen die großen Stupas vor der Kulisse der Berge Zentraljavas.

Prambanan erzählt eine andere Geschichte. Die gewaltige hinduistische Anlage entstand im 9. und 10. Jahrhundert und ist vor allem Shiva gewidmet; Reliefs erzählen unter anderem Episoden des Ramayana. Zum gesamten archäologischen Komplex gehören zugleich buddhistische Tempel – ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie unterschiedliche religiöse Traditionen im damaligen Java nebeneinander existierten.

Doch während wir durch diese Anlagen gingen, beschäftigte mich nicht nur ihre Schönheit.

Wenn man vor Monumenten steht, die vor mehr als tausend Jahren mit einem heute kaum vorstellbaren Aufwand errichtet wurden, entstehen zwangsläufig Fragen. Welche Rolle spielte Religion für die damaligen Herrscher? Wie eng waren Glauben, gesellschaftliche Ordnung und Macht miteinander verbunden? Wie viele Menschen mussten organisiert, versorgt und beschäftigt werden, damit solche Anlagen entstehen konnten? Und welche Botschaft vermittelten diese steinernen Monumente den Menschen, die damals vor ihnen standen?

Religion kann Orientierung, Gemeinschaft und Hoffnung geben. Gleichzeitig wurde sie in der Geschichte immer wieder Teil politischer Ordnung und herrschaftlicher Legitimation. Borobudur und Prambanan machen diese Verbindung zwischen Spiritualität, Gesellschaft und Macht auf eine beeindruckende Weise sichtbar, ohne dass sich die Antworten darauf in wenigen Sätzen finden ließen.

Einige dieser Gedanken begleiten mich seitdem weiter.

Vielleicht entsteht daraus irgendwann eine ganz andere Geschichte.

Mit dem Fahrrad ins andere Yogyakarta

Fast ebenso eindrucksvoll wie die großen Tempelanlagen wurde für uns ein Tag, an dem wir die Fahrräder nahmen und ins Umland Yogyakartas fuhren.

Vielleicht war es gerade das langsame Tempo, das diesen Tag so besonders machte. Wir bewegten uns durch Reisfelder und kleine Dörfer, sahen Gemüse- und Obstanbau und konnten immer wieder anhalten. Dabei entstanden Begegnungen mit Menschen, die nicht geplant waren und gerade deshalb hängen blieben.

Wir erfuhren viel darüber, wie Landwirtschaft hier funktioniert, welche Pflanzen angebaut werden und wie die Felder bewirtschaftet werden. Statt die Landschaft nur aus einem Auto oder Zugfenster zu betrachten, konnten wir Fragen stellen, beobachten und uns Zeit nehmen.

Auch lokale Feste erlebten wir unterwegs ganz unmittelbar.

Für Emilia war diese Fahrradtour etwas ganz Besonderes. Java bestand an diesem Tag nicht aus Tempelanlagen, Vulkanen oder Millionenstädten. Wir waren einfach mittendrin im Alltag der Menschen.

Genau solche Tage zeigen uns immer wieder, warum wir gerne mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind. Die Geschwindigkeit verändert die Begegnung mit einer Landschaft. Man fährt nicht nur hindurch, sondern bekommt zumindest für einen Moment die Chance, etwas näher heranzukommen.

Und dann fanden wir noch das Mediterranea.

Auf einer langen Reise können Restaurants erstaunlicherweise zu kleinen Glücksfällen werden. Nach Wochen mit überwiegend asiatischem Essen genossen wir dort die mediterrane Küche, die Atmosphäre und schlicht das Gefühl, einen Ort gefunden zu haben, an den wir gerne zurückkehrten.

Das Mediterranea stand auf keiner Liste großer Sehenswürdigkeiten und war trotzdem eine echte Bereicherung unserer Tage in Yogyakarta.

Heute wissen wir: Wir hätten gerne noch einen Tag länger bleiben sollen.

Spektakulär nach Bandung

Stattdessen stiegen wir wieder in den Zug.

Allein die Fahrt nach Bandung war ein Erlebnis. Die Bahn windet sich durch das vulkanisch geprägte Hochland Westjavas, vorbei an Reisfeldern und dicht bewachsenen Berghängen, über Brücken und entlang tief eingeschnittener Täler. Immer wieder öffnete sich der Blick weit über eine intensiv grüne Kulturlandschaft, bevor der Zug erneut zwischen Bergen und Dörfern verschwand.

Diese Fahrt würden wir jederzeit wieder machen.

Bei Bandung selbst sieht es etwas anders aus.

Heute würden wir die Stadt vermutlich aus unserer Route streichen. Das bedeutet keineswegs, dass wir dort keine schönen Momente hatten. Wir unternahmen eine schöne Wanderung in der Umgebung und auch unseren letzten Abend haben wir in guter Erinnerung.

Doch eine längere Reise lehrt einen auch, ehrlich auf die eigene Route zurückzublicken. Nicht jeder Ort muss nachträglich zum Geheimtipp erklärt werden, nur weil man dort gewesen ist. Hätten wir noch einmal die Wahl, würden wir den Tag lieber Yogyakarta geben – und vielleicht einen weiteren Jakarta.

Auch das gehört zum Reisen.

Noch einmal Jakarta – und dann Abschied

Als wir wieder in Jakarta ankamen, begann gleichzeitig der letzte Abschnitt unserer gemeinsamen Reise mit Emilia.

Fast drei Wochen waren wir zusammen unterwegs gewesen. Wir hatten Vulkane erlebt, Tempel besucht, waren mit Fahrrädern durch Reisfelder gefahren, hatten viele Stunden in Zügen verbracht, gemeinsam gegessen, gelacht und einen Reisealltag miteinander geteilt, der sich irgendwann ganz selbstverständlich angefühlt hatte.

Unseren letzten Abend in Jakarta genossen wir deshalb noch einmal ganz bewusst. Es musste nichts Spektakuläres mehr passieren. Wir wollten einfach zusammen sein.

Zu diesem Abschied gehörte für uns auch noch einmal ein Weizenbier im Paulaner. Nach all den indonesischen Craftbieren war es fast schon ein kleiner Ausflug in eine vertraute Geschmackswelt – und ein schöner Ort für unseren letzten gemeinsamen Abend auf Java.

Am nächsten Morgen ließen wir uns ebenfalls Zeit. Wir gingen noch einmal richtig gut frühstücken, saßen zusammen und wussten gleichzeitig, dass danach der Moment kommen würde, auf den keiner von uns große Lust hatte.

Dann mussten wir uns verabschieden.

Und dieser Abschied war wirklich schwer.

Nach fast drei Wochen intensiver gemeinsamer Reisezeit plötzlich wieder getrennte Wege zu gehen, traf uns mehr, als sich vorher in Worte fassen ließ. Emilia flog zurück nach Berlin, wo die zweite Hälfte ihrer Ausbildung auf sie wartet, während unsere Weltreise weiterging.

Natürlich wussten wir, dass wir uns wiedersehen würden. Aber dieses Wissen ändert in einem solchen Moment erstaunlich wenig.

Vielleicht ist das eine Seite einer langen Reise, über die man vorher kaum nachdenkt. Während wir unterwegs sind, läuft das Leben der Menschen, die uns wichtig sind, zuhause weiter. Für fast drei Wochen hatten sich diese beiden Welten verbunden. Emilia war nicht zu Besuch gewesen, sondern Teil unseres Reisealltags geworden.

Und plötzlich trennten sich unsere Wege wieder.

Die Freude darüber, diese Wochen gemeinsam erlebt zu haben, und die Traurigkeit über den Abschied lagen unglaublich dicht beieinander.

Danach waren wir wieder zu dritt.

Zum dritten Mal Bali

Nur kurze Zeit später landeten wir erneut auf Bali.

Zum dritten Mal auf dieser Weltreise.

Und diesmal war etwas anders.

Was bei unserem ersten Aufenthalt noch neu gewesen war, fühlte sich inzwischen erstaunlich vertraut an. Als wir wieder durch Sanur liefen, mussten wir uns nicht orientieren oder überlegen, wo wir essen wollten. Wir kannten Straßen, Restaurants, die Promenade und unsere kleinen Anlaufpunkte.

Gerade nach dem emotionalen Abschied in Jakarta tat diese Vertrautheit gut.

Sanur fühlte sich tatsächlich ein wenig wie Nachhausekommen an.

Das ist ein merkwürdiges Gefühl auf einer Weltreise. Ein Ort, der vor wenigen Monaten noch fremd war, wird plötzlich zu etwas Bekanntem, während das eigentliche Zuhause Tausende Kilometer entfernt liegt.

Lange blieben wir trotzdem nicht.

Diesmal wollten wir hinauf in die Berge.

Munduk – fünf Wasserfälle und viel Grün

Schon die Fahrt nach Munduk veränderte Bali wieder. Die Küste blieb zurück, die Straßen wurden kurviger und die Luft kühler. Reisfelder, Plantagen und bewaldete Berghänge bestimmten zunehmend die Landschaft.

Munduk gefiel uns sofort. Der kleine Ort liegt wunderschön im balinesischen Hochland und war für uns vor allem Ausgangspunkt, um wieder ausgiebig zu Fuß unterwegs zu sein.

Besonders in Erinnerung blieb eine Wanderung, bei der wir gleich fünf unterschiedliche Wasserfälle miteinander verbinden konnten. Statt zu einem einzelnen Wasserfall zu fahren, ein Foto zu machen und anschließend weiterzuziehen, waren wir rund einen halben Tag auf schmalen Wegen unterwegs. Wer sich unterwegs Zeit zum Schwimmen nimmt, kann daraus problemlos noch mehr machen.

Jeder Wasserfall hatte seinen eigenen Charakter. Dazwischen führte der Weg durch üppiges Grün, vorbei an kleinen Siedlungen und durch eine Landschaft, die mit den dicht bebauten Küstenregionen Balis wenig gemeinsam hat.

Auch die Wanderung durch die Reisterrassen rund um Munduk gefiel uns sehr. Zu Fuß nimmt man diese Kulturlandschaft anders wahr. Man sieht Bewässerungskanäle, Pflanzen und kleine Details, die vom Straßenrand aus kaum auffallen, und begegnet immer wieder Menschen bei ihrer Arbeit.

Eine weitere Wanderung führte uns in die Gegend der Zwillingsseen Tamblingan und Buyan.

Hier waren wir weniger begeistert.

Die Seen und die umgebende Landschaft sind wunderschön, doch unsere Rundwanderung enthielt für unseren Geschmack zu viele Straßenabschnitte und Treppen. Wenn wir noch einmal nach Munduk kämen, würden wir unsere Zeit lieber für eine weitere Wanderung durch die Reisfelder oder zu den Wasserfällen nutzen.

Auch das darf ein Reiseblog sagen.

Nicht jede Tour ist großartig und nicht jeder Ort muss zum Geheimtipp werden.

Rückblickend hätten uns in Munduk wahrscheinlich drei Nächte gereicht. Trotzdem waren die Tage dort genau richtig: Bewegung, angenehmeres Bergklima und viel Natur.

Danach wollten wir wieder ans Meer.

Amed – Maske auf und ins Wasser

Unsere nächste Station war Amed an der Ostküste Balis.

Wir wohnten an der Lipah Bay und hatten diesmal bewusst wenig vor. Nach den Wanderungen in Munduk wollten wir schwimmen, schnorcheln und einige entspannte Tage am Meer verbringen.

Dafür war die Bucht perfekt.

Man braucht kein Boot und keine große Organisation. Maske und Schnorchel reichen, wenige Schritte später ist man im Wasser und kann direkt vom Strand aus die Unterwasserwelt erkunden.

Nach den vielen Ortswechseln der vergangenen Wochen tat uns diese Einfachheit gut.

Ganz untätig blieben wir natürlich trotzdem nicht.

Ein Ausflug entlang der Ostküste führte uns zunächst zu einer traditionellen Salzproduktion. In einer Region, in der Tourismus längst eine große wirtschaftliche Rolle spielt, war es spannend zu sehen, dass an der Küste noch immer Meerwasser verarbeitet wird, um Salz zu gewinnen.

Danach ging es zum Taman Ujung Water Palace.

Ein Wasserpalast zwischen Bergen und Meer

Taman Ujung erzählt noch einmal eine andere Geschichte Balis.

Der Ausgangspunkt der Anlage war ein bereits 1901 angelegtes Becken. Ab 1909 ließ der damalige Herrscher von Karangasem die Anlage zu einem königlichen Rückzugs- und Repräsentationsort ausbauen. An der Gestaltung waren ein niederländischer und ein chinesischer Architekt ebenso beteiligt wie balinesische Baumeister, was die ungewöhnliche Mischung europäischer und balinesischer Gestaltung erklärt. Die Arbeiten wurden 1921 abgeschlossen.

Zwischen großen Wasserbecken, Brücken, Pavillons und Gärten öffnet sich von den höher gelegenen Punkten der Blick auf Berge und Meer.

Vielleicht gefiel uns gerade dieser Kontrast. Nach den jahrhundertealten Tempeln Javas standen wir nun vor einer wesentlich jüngeren Anlage, an der sich trotzdem wieder ablesen lässt, wie Kultur niemals isoliert entsteht. Balinesische Traditionen trafen hier auf chinesische und europäische Einflüsse und schufen etwas Eigenes.

Und natürlich: Bier

Ganz zufällig lagen auf unseren Wegen durch Bali auch einige Brauereien.

Nun ja – vielleicht nicht vollkommen zufällig.

Die Entwicklung der indonesischen Craftbier-Szene begleitet meine Arbeit inzwischen schon seit einigen Monaten. Gerade Bali nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Der internationale Tourismus schafft Nachfrage nach anderen Bierstilen, gleichzeitig versuchen einige Brauereien zunehmend, nicht einfach amerikanische oder europäische Vorbilder zu kopieren, sondern eine eigene indonesische Handschrift zu entwickeln.

Besonders spannend war für mich deshalb der Besuch bei Islands of Imagination, kurz IOI, in Karangasem.

Die Brauerei formuliert genau diesen Anspruch: lokale Zutaten und indonesische Aromen mit klassischen Bierstilen zu verbinden. Indonesiens Landschaften und kulinarische Vielfalt dienen dabei ausdrücklich als Inspirationsquelle für die Biere.

Das passt zu einer Frage, die mich bei meinen Brauereibesuchen auf dieser Reise immer stärker beschäftigt: Wann entsteht tatsächlich eine eigenständige Bierkultur und wann wird lediglich ein internationaler Trend an einen neuen Ort übertragen?

IOI gehört zu jenen Brauereien, bei denen die Antwort interessant wird.

Mit lokalen Zutaten, ungewöhnlichen Rezepturen und dem Versuch, Aromen Indonesiens in Bier zu übersetzen, entsteht zumindest der Ansatz einer eigenen Identität. Andere Begegnungen – etwa bei Beaches Brewing Co. im Nordwesten Balis – zeigten wiederum, wie eng eine Brauerei mit ihrem Standort, den Menschen vor Ort und regionalen Arbeitsstrukturen verbunden sein kann.

Aus diesen Begegnungen werden deshalb noch eigene Geschichten entstehen. Denn irgendwann ging es für uns nicht mehr nur darum, welches Bier gut schmeckt. Spannender wurden die Menschen dahinter und die Frage, warum jemand ausgerechnet hier eine Brauerei aufbaut.

Nach unserem Ausflug kehrten wir wieder nach Amed zurück.

Maske auf, ins Meer – und für einige Stunden einfach nichts anderes tun.

Noch einmal Sanur

Unsere letzten drei Tage in Indonesien verbrachten wir dort, wo sich für uns inzwischen fast ein kleiner Kreis schloss.

Sanur.

Diesmal mussten wir nichts mehr entdecken.

Wir konnten an der Promenade entlanglaufen, essen gehen, das Meer beobachten und die Vertrautheit genießen, die sich in den vergangenen Monaten entwickelt hatte.

Als wir zu Beginn dieser Reise nach Indonesien kamen, bestanden viele Orte für uns zunächst nur aus Namen auf einer Karte: Sulawesi, Bali, Borneo, Java.

Inzwischen verbanden wir mit ihnen Menschen, Gerüche, Geräusche und Erlebnisse.

Wir hatten auf Bunaken zwischen Korallen und Meeresschildkröten geschnorchelt und auf dem Rückweg hunderte Delfine erlebt. Wir waren durch die faszinierende Kultur der Toraja gereist, hatten auf Borneo Orang-Utans und Elefanten in freier Wildbahn gesehen und waren mit einer alten Eisenbahn durch den Dschungel gefahren.

Auf Bali hatten wir für einige Zeit Alltag entwickelt, Vulkane und Reislandschaften erlebt und waren inzwischen so oft nach Sanur zurückgekehrt, dass aus einem fremden Ort beinahe ein Zuhause auf Zeit geworden war.

Auf Java hatten wir Vulkane bestiegen, gewaltige Tempelanlagen besucht, waren durch Reisfelder geradelt und hatten mit Emilia drei intensive Wochen erlebt.

Indonesien war längst nicht mehr einfach ein Land auf unserer Weltreiseroute.

Es war zu einem großen Kapitel dieser Reise geworden.

Abschied von unserer Indonesien-Reise – aber nicht für immer

Vielleicht war genau deshalb unser Abschied anders als bei vielen vorherigen Grenzübertritten.

Wir hatten keineswegs das Gefühl, Indonesien nun „gesehen“ zu haben. Wie sollte das bei einem Archipel aus Tausenden Inseln mit einer kaum überschaubaren kulturellen, sprachlichen und landschaftlichen Vielfalt überhaupt möglich sein?

Eher blieb das Gefühl, einen kleinen Ausschnitt kennengelernt zu haben.

Und irgendwann gerne wiederzukommen.

Eine lange Reise verändert dabei langsam die Bedeutung des Weiterziehens. Man lässt einen Ort nicht einfach hinter sich, sobald das Flugzeug abhebt. Manche Orte reisen weiter mit. Durch Menschen, denen man begegnet ist, durch Erinnerungen, Gerüche und Geschmäcker und manchmal durch dieses überraschende Gefühl, irgendwo zum dritten Mal anzukommen und festzustellen, dass man längst weiß, welchen Weg man gehen muss.

Sanur war für uns so ein Ort geworden.

Nun standen die Rucksäcke wieder bereit.

Und vor uns lag Thailand.

Allerdings wäre es ziemlich falsch, von einem neuen Land zu sprechen.

Zurück nach Thailand

Thailand begleitet mich inzwischen seit fast drei Jahrzehnten.

1997 war ich dort bereits unterwegs, damals noch auf der Walz. Später kam ich mit Freundin zurück, irgendwann mit Familie, teilweise für mehrere Monate. Wenn ich all diese Aufenthalte zusammenrechne, habe ich vermutlich weit mehr als ein halbes Jahr meines Lebens in Thailand verbracht.

Auch Thore war schon dort. Bei seinem ersten Besuch war er gerade einmal anderthalb Jahre alt.

Und selbst auf dieser Weltreise wäre es keine Premiere. Nach Malaysia hatten wir bereits einige Zeit auf Ko Lanta verbracht, bevor unser Weg wieder zurück nach Malaysia und schließlich weiter nach Indonesien führte.

Nun kehren wir erneut zurück.

Diesmal für einen längeren Abschnitt.

Vielleicht ist das sogar spannender als die Ankunft in einem völlig unbekannten Land. Denn wenn man über fast dreißig Jahre immer wieder an denselben Ort zurückkehrt, begegnet man nicht nur einem Land.

Man begegnet auch den eigenen Erinnerungen.

Was hat sich verändert? Was ist geblieben? Wie fühlt sich ein Ort an, den man als junger Zimmermann auf der Walz erlebt hat und zu dem man Jahrzehnte später mit seinem fünfjährigen Sohn zurückkehrt?

Und wie sehr hat sich eigentlich derjenige verändert, der dort immer wieder ankommt?

Bevor wir Antworten darauf suchen können, wartet allerdings noch ein kurzer Zwischenstopp.

Singapur.

Nach Monaten zwischen Vulkanen, Regenwäldern, Reisfeldern, kleinen Inseln und indonesischem Alltag könnte der Kontrast kaum größer sein.

Danach geht es zurück nach Thailand – in ein Land, das für mich längst nicht mehr nur aus Orten auf einer Landkarte besteht, sondern aus fast drei Jahrzehnten persönlicher Reisegeschichte.