Vom Mount Batur zum Mount Kinabalu – Zwischen Bali und Borneo

Tempel, Vulkane, Reisterrassen und uralte Regenwälder – innerhalb weniger Tage wechseln wir von der spirituellen Welt Balis in die beeindruckende Berglandschaft Sabahs auf Borneo. Unsere Reise führt uns zu heiligen Vulkanen, durch sattgrüne Kulturlandschaften und schließlich in den Kinabalu-Nationalpark, wo einer der höchsten Berge Südostasiens über einem einzigartigen Nebelwald thront.

Abschied von einer besonderen Insel

Es gibt Reisen, bei denen man das Gefühl hat, innerhalb weniger Stunden in einer völlig anderen Welt angekommen zu sein. Genau so erlebten wir den Wechsel von Bali nach Borneo. Kaum hatten wir Tempel, Reisterrassen und heilige Vulkane hinter uns gelassen, standen wir wenig später in einem der ältesten Regenwälder der Erde. Zwei Inseln, nur einen kurzen Flug voneinander entfernt – und doch könnten sie unterschiedlicher kaum sein.

Eigentlich hatten wir Bali innerlich bereits verabschiedet. Unsere Gedanken kreisten längst um Sabah, den Mount Kinabalu und die Tierwelt Borneos. Doch wie so oft auf Reisen waren es gerade die letzten Tage, die uns noch einmal besonders eindrucksvoll vor Augen führten, warum diese Insel seit Jahrzehnten Menschen aus aller Welt begeistert.

Unsere Unterkunft lag am Fuße des Mount Agung. Immer wieder rissen die Wolken auf und gaben den Blick auf den mit 3.031 Metern höchsten Berg Balis frei. Der mächtige Vulkan überragt sogar die Zugspitze und gilt den Balinesen als Sitz der Götter und Ahnen. Viele Tempel auf der Insel sind auf den Agung ausgerichtet, religiöse Zeremonien orientieren sich bis heute an seiner Lage. Der Berg ist weit mehr als ein landschaftliches Wahrzeichen – er prägt die spirituelle Identität Balis.

Natürlich beschäftigte auch uns die Frage, ob wir den Gipfel besteigen sollten. Die Tour dauert in der Regel zwei Tage und verlangt eine gute Kondition. So reizvoll dieses Abenteuer gewesen wäre, unser Zeitplan ließ es diesmal nicht zu. Stattdessen entschieden wir uns für den Mount Batur – einen der heiligsten Vulkane der Insel und einen Ort, der uns auf ganz andere Weise begeistern sollte.

Zwischen Schwefeldämpfen und Kratersee

Die meisten Besucher brechen mitten in der Nacht auf, um den Sonnenaufgang vom Gipfel zu erleben. Hunderte Menschen machen sich dann gleichzeitig auf den Weg. Wir entschieden uns bewusst dagegen. Seit Beginn unserer Weltreise suchen wir immer wieder nach den ruhigeren Momenten eines Landes. Nicht, weil wir bekannte Orte meiden möchten, sondern weil wir glauben, dass Landschaften ihre besondere Wirkung oft dann entfalten, wenn man sie ohne Hektik erleben darf.

An diesem Morgen waren deshalb nur unser Guide, Thore und wir unterwegs. Erst auf dem Rückweg begegneten wir den ersten Wanderern.

Mit jedem Höhenmeter veränderte sich die Landschaft. Aus kleinen Öffnungen im dunklen Lavagestein stiegen weiße Schwefeldämpfe auf. Der feine Geruch lag in der Luft und erinnerte daran, dass unter unseren Füßen noch immer enorme Kräfte wirken. Mal verschwand der schmale Pfad kurz zwischen den aufsteigenden Dampfschwaden, wenig später öffnete sich wieder der Blick über den Krater. Die Mischung aus den hellen Wolken, den Fumarolen und dem schwarzen Vulkangestein verlieh der Landschaft eine fast unwirkliche Stimmung.

Unser Guide musste unterwegs immer wieder schmunzeln. Während viele Erwachsene an steileren Passagen regelmäßig eine Pause einlegten, marschierte Thore scheinbar unbeeindruckt weiter bergauf. Es war nicht das erste Mal auf unserer Reise, dass ein Bergführer überrascht feststellte, wie selbstverständlich unser fast fünfjähriger Sohn auch längere Wanderungen bewältigt. Oben angekommen wartete er entspannt auf einen Teil der anderen Wanderer – sehr zur Belustigung unseres Guides.

Vom Gipfel bot sich ein beeindruckender Blick über den Danau Batur. Der große Kratersee entstand nach gewaltigen vulkanischen Eruptionen und versorgt bis heute zahlreiche Dörfer mit Wasser. Rund um den See bestimmen Gemüsefelder, Obstplantagen und kleine Farmen das Bild. Die fruchtbaren Vulkanböden gehören zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Regionen Balis. Während unten bereits die ersten Bauern ihre Felder bestellten, ragte in der Ferne der Mount Agung majestätisch über die Landschaft.

Solche Momente machen Bali besonders. Natur, Religion und das tägliche Leben sind hier eng miteinander verbunden.

Sidemen und Besakih – ein Blick in die Seele Balis

Obwohl Indonesien das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde ist, bildet Bali eine bemerkenswerte Ausnahme. Der balinesische Hinduismus unterscheidet sich deutlich von dem in Indien. Über Jahrhunderte haben sich hinduistische Traditionen mit alten Naturreligionen und Ahnenkulten vermischt. Kleine Opfergaben aus Blüten, Reis und Räucherwerk liegen vor nahezu jedem Haus, an Kreuzungen, Tempeln und Geschäften. Für Besucher mögen sie unscheinbar wirken. Für die Balinesen gehören sie ganz selbstverständlich zum Alltag und symbolisieren den Wunsch nach Harmonie zwischen Mensch, Natur und Göttern.

Wie eng diese Verbindung tatsächlich ist, wurde uns wenig später noch deutlicher.

Mit einem gemieteten Roller machten wir uns auf den Weg nach Sidemen. Schon die Fahrt dorthin war ein Erlebnis. Die schmale Straße schlängelte sich vorbei an kleinen Dörfern, Kokospalmen und endlosen Reisterrassen. Immer wieder hielten wir an, um den Ausblick zu genießen oder einfach das geschäftige Leben auf den Feldern zu beobachten.

Sidemen gehört für uns zu den schönsten Regionen Balis. Während andere Orte der Insel längst vom Tourismus geprägt sind, scheint hier vieles noch seinem ursprünglichen Rhythmus zu folgen. Bauern bearbeiten ihre Felder, Frauen tragen Opfergaben zu den Tempeln und Kinder spielen zwischen den schmalen Wegen der Reisfelder.

Die berühmten Reisterrassen sind weit mehr als ein schönes Fotomotiv. Hinter ihnen verbirgt sich das jahrhundertealte Bewässerungssystem Subak, das heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Wasser wird hier gemeinschaftlich verteilt und gilt gleichzeitig als heiliges Gut. Landwirtschaft, Religion und das Leben der Dorfgemeinschaft bilden bis heute eine untrennbare Einheit.

Ein weiterer Höhepunkt unserer letzten Tage auf Bali war der Besuch des Tempels Besakih. Die weitläufige Anlage an den Hängen des Mount Agung gilt als religiöses Zentrum der Insel und wird nicht ohne Grund als Muttertempel Balis bezeichnet. Zwischen den kunstvoll verzierten Toren, den mehrstöckigen Meru-Türmen und den zahlreichen Schreinen erhielten wir einen tiefen Einblick in die balinesische Kultur. Viele Rituale erschließen sich Besuchern erst nach und nach. Gerade das machte den Besuch für uns so spannend. Religion ist hier kein Programmpunkt für Touristen, sondern ein selbstverständlicher Teil des täglichen Lebens.

Am nächsten Tag kehrten wir noch einmal nach Sanur zurück. Während wir am Strand entlang spazierten und auf das ruhige Meer blickten, wurde uns bewusst, dass dies wohl kein Abschied für immer sein würde. Bali hat uns weit mehr gezeigt als traumhafte Strände. Es waren vor allem die herzlichen Begegnungen, die beeindruckenden Vulkanlandschaften und die tiefe Verwurzelung von Kultur und Religion, die uns nachhaltig in Erinnerung bleiben werden.

Willkommen auf Borneo

Nur wenige Stunden später hob unser Flug nach Borneo ab.

Schon beim Landeanflug auf Kota Kinabalu zeigte sich, dass uns eine völlig andere Welt erwartete. Vor uns lag das tiefblaue Südchinesische Meer mit den kleinen Inseln des Tunku Abdul Rahman Marine Parks. Dahinter erhoben sich dicht bewaldete Berge, über denen mächtige Wolken hingen.

Malaysia kannten wir bereits von unserer Reise über die malaiische Halbinsel. Sabah fühlte sich dennoch sofort anders an. Auffällig war zunächst, dass deutlich weniger Frauen ein Kopftuch trugen als in Westmalaysia. Sabah ist ethnisch außergewöhnlich vielfältig. Mehr als dreißig indigene Volksgruppen leben hier, darunter Kadazan-Dusun, Bajau, Murut und Rungus. Hinzu kommen Malaien, Chinesen und viele weitere Bevölkerungsgruppen. Kirchen, Moscheen und Tempel prägen vielerorts gemeinsam das Ortsbild und spiegeln die kulturelle Vielfalt dieser Region wider.

Borneo selbst ist nach Grönland und Neuguinea die drittgrößte Insel der Erde. Sie wird von Indonesien, Malaysia und dem kleinen Sultanat Brunei geteilt. Während der Süden als Kalimantan zu Indonesien gehört, bilden Sabah und Sarawak den ostmalaysischen Teil des Landes. Beide Bundesstaaten unterscheiden sich in ihrer Geschichte und Kultur deutlich von Westmalaysia und besitzen bis heute eine starke eigene Identität.

Ein Abend an der Waterfront von Kota Kinabalu

Unser erster Abend führte uns an die Hafenpromenade von Kota Kinabalu. Mit dem Sonnenuntergang erwachte die Waterfront zum Leben. Familien spazierten am Meer entlang, Kinder spielten zwischen den Palmen, Straßenmusiker sorgten für Unterhaltung und aus den offenen Restaurants zog der Duft von frisch gegrilltem Fisch, Garnelen und Tintenfisch über die Promenade.

Mit Blick auf das Meer ließen wir uns frische Meeresfrüchte schmecken und genossen die entspannte Atmosphäre. Es sind oft gerade diese einfachen Abende, die einen Ort lange in Erinnerung bleiben lassen. Ohne großes Programm, aber mit gutem Essen, freundlichen Menschen und dem Gefühl, wieder einmal an einem besonderen Ort angekommen zu sein.

Aufbruch in das Hochland des Mount Kinabalu

Am nächsten Morgen verließen wir die Küste und fuhren hinauf in das Hochland rund um den Mount Kinabalu. Mit jedem Kilometer wurde die Luft angenehmer. Tropische Vegetation wechselte sich mit Gemüsefeldern, kleinen Milchbetrieben und Obstständen am Straßenrand ab. Kundasang gilt nicht ohne Grund als Gemüsegarten Sabahs. Das vergleichsweise kühle Klima ermöglicht den Anbau zahlreicher Gemüse- und Obstsorten, die in den tropischen Tiefländern kaum gedeihen würden.

Und dann erschien er.

Zwischen den Wolken zeichnete sich die gewaltige Granitwand des Mount Kinabalu ab.

Mit seinen 4.095 Metern ist er nicht nur der höchste Berg Malaysias, sondern der höchste Gipfel zwischen dem Himalaya und Neuguinea. Für die Kadazan-Dusun, die größte indigene Volksgruppe Sabahs, ist er bis heute ein heiliger Ort. Der Name Kinabalu wird häufig mit „verehrter Ort der Ahnen“ übersetzt und macht deutlich, welche spirituelle Bedeutung dieser Berg seit Jahrhunderten besitzt.

Schon nach den ersten Kilometern war uns klar, dass uns hier einige ganz besondere Wandertage bevorstanden.

Im Reich der Nebelwälder

Schon beim Öffnen der Autotür fiel uns auf, wie angenehm kühl die Luft geworden war. Nach den warmen Tagen auf Bali und an der Küste Sabahs fühlte sich das Hochland fast wie eine andere Klimazone an. Über den Baumwipfeln zogen dichte Nebelschwaden hinweg, von den Ästen tropfte Wasser und aus dem Wald erklangen Vogelstimmen, deren Urheber meist verborgen blieben. Es war einer dieser Orte, an denen man automatisch langsamer geht, weil es hinter jeder Wegbiegung etwas Neues zu entdecken gibt.

Der Kinabalu-Nationalpark gehört zu den ältesten Schutzgebieten Malaysias und wurde bereits im Jahr 2000 aufgrund seiner außergewöhnlichen Artenvielfalt in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen. Mehr als 5.000 Pflanzenarten wachsen hier, darunter über 1.500 Orchideen, zahlreiche Rhododendren sowie die berühmten Kannenpflanzen, die mit ihren kunstvoll geformten Blättern Insekten fangen. Doch was diesen Wald für uns so besonders machte, waren nicht allein diese beeindruckenden Zahlen. Es war die Atmosphäre.

Unsere Wanderungen führten uns an mehreren Tagen durch ganz unterschiedliche Bereiche des Nationalparks. Mal verlief der Weg über gut angelegte Holzstege, wenig später ging es über freiliegende Baumwurzeln, moosbedeckte Steine und schmale Waldpfade. Hinter jeder Kurve veränderte sich das Bild. Riesige Baumfarne wechselten sich mit dicht bewachsenen Hängen ab, Moose überzogen nahezu jeden Ast und zwischen den Wurzeln wuchsen Pilze in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Wer aufmerksam durch diesen Wald geht, stellt schnell fest, dass seine eigentlichen Besonderheiten oft im Kleinen liegen.

Natürlich begegneten wir auch einigen Bewohnern dieses einzigartigen Lebensraums. Ein Rieseneichhörnchen verschwand blitzschnell zwischen den Baumkronen, wenig später entdeckten wir einen Skorpion unter einem umgestürzten Baumstamm. Und auch Blutegel gehören hier zum Regenwald. Sie erinnern einen schnell daran, dass man sich in einer ursprünglichen Naturlandschaft bewegt und nicht in einem sorgfältig angelegten Park.

Besonders viel Freude bereitete es uns, den Nationalpark gemeinsam mit Thore zu erkunden. Mittlerweile ist er ein geübter Wanderer und entdeckt unterwegs häufig Dinge, die Erwachsenen zunächst gar nicht auffallen. Mal zeigt er auf einen ungewöhnlichen Käfer, dann auf einen Schmetterling oder eine besonders auffällige Pflanze. Seine Neugier sorgt immer wieder dafür, dass auch wir genauer hinschauen. Vielleicht ist genau das einer der schönsten Aspekte einer Reise mit Kindern: Man nimmt sich automatisch mehr Zeit und entdeckt vieles, woran man sonst achtlos vorbeigelaufen wäre.

Eine Wanderung, die uns besonders in Erinnerung bleibt

Mehrere Einheimische hatten uns den Maragang Hill empfohlen. Obwohl der Gipfel längst nicht so bekannt ist wie der Mount Kinabalu selbst, gilt er als einer der schönsten Aussichtspunkte der Region. Schon nach wenigen Metern verstanden wir, weshalb.

Der schmale Pfad führte zunächst über Holzstege, anschließend durch dichten Nebelwald. Gewaltige Baumwurzeln bildeten natürliche Treppenstufen, kleine Bäche mussten überquert werden und immer wieder öffneten sich zwischen den Bäumen kurze Ausblicke auf die umliegenden Berge.

Je höher wir stiegen, desto dichter wurde der Nebel. Zeitweise reichte die Sicht kaum bis zum nächsten Baum. Gleichzeitig verlieh genau dieses Wechselspiel aus Wolken, Licht und dichter Vegetation der Landschaft ihren ganz besonderen Charakter. Es wirkte fast so, als würde der Wald seine Geheimnisse nur langsam preisgeben.

Kurz vor dem Gipfel änderte sich das Bild schlagartig. Innerhalb weniger Minuten rissen die Wolken auf und gaben den Blick auf den Mount Kinabalu frei. Fast senkrecht erhob sich die gewaltige Granitwand über dem Regenwald. Wenige Augenblicke später schoben sich bereits neue Nebelschwaden vor den Berg und ließen ihn wieder verschwinden. Dieser kurze Moment machte deutlich, warum so viele Menschen von dieser Landschaft schwärmen.

Auch rund um Kundasang lohnt sich der Blick über die Wanderwege hinaus. Kleine Familienbetriebe prägen das Hochland, überall werden Gemüse, Erdbeeren und Blumen angebaut. An zahlreichen Straßenständen verkaufen die Bauern ihre Ernte direkt an Einheimische und Besucher. Wer durch diese Region fährt, gewinnt schnell den Eindruck, dass das Leben hier noch etwas ruhiger verläuft als in den großen Städten Malaysias.

Nach mehreren Tagen im Kinabalu-Nationalpark fiel uns der Abschied nicht leicht. Es hätte noch zahlreiche weitere Wanderungen gegeben, die wir gerne unternommen hätten. Gleichzeitig wartete bereits das nächste Kapitel unserer Reise.

Unser Weg führte uns nun an die Ostküste Sabahs – nach Sandakan. Eine Stadt, die heute vor allem als Tor zum Regenwald bekannt ist, deren Geschichte jedoch weit über Orang-Utans und Flusssafaris hinausgeht.

Davon erzählen wir im nächsten Beitrag unseres Weltreiseblogs.