Zwischen Korallengärten, Schildkröten und Reisfeldern

Unser Abschied von Sulawesi und die ersten Wochen auf Bali

Nach mehreren Wochen auf Sulawesi waren wir eigentlich bereit für etwas Ruhe.

Zumindest glaubten wir das.

Doch bevor uns Bali mit Reisfeldern, Rollern, Kita-Alltag und überraschend gutem Craft Beer empfing, warteten noch einige Erlebnisse auf uns, die zu den schönsten Momenten unserer bisherigen Weltreise zählen sollten.

Riesige Meeresschildkröten glitten direkt unter uns durch die Korallengärten von Bunaken, wir gerieten mitten in eine gewaltige Delfinschule, entdeckten seltene Koboldmakis in den Mangroven Nord-Sulawesis und kämpften später auf dem Weg nach Nusa Penida mit Wellen, die nicht nur unseren Sohn und Ulrike an ihre Grenzen brachten.

Dazwischen lagen entspannte Nachmittage in der Hängematte, die Rückkehr zu einem geregelten Alltag auf Bali, ein repariertes MacBook und die Erkenntnis, dass Bali zwar zu Indonesien gehört, sich aber manchmal wie ein eigenes kleines Universum anfühlt.


Manado – entspannter als erwartet

Bevor es für uns auf die Bunaken-Inseln ging, verbrachten wir noch zwei Tage in Manado.

Schon nach kurzer Zeit fiel uns auf, dass die Stadt deutlich anders wirkte als Makassar. Zwar zählt auch Manado mit rund einer halben Million Einwohnern zu den größeren Städten Indonesiens, doch sie erschien uns wesentlich ruhiger, sauberer und entspannter.

Besonders auffällig waren die vielen Kirchen.

Während Indonesien als größtes muslimisches Land der Erde gilt, nimmt Nord-Sulawesi eine Sonderstellung ein. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört verschiedenen christlichen Konfessionen an. Die Wurzeln reichen bis in die niederländische Kolonialzeit zurück, als Missionare großen Einfluss auf das Minahasa-Hochland gewannen.

Noch heute prägen Kirchen das Stadtbild mindestens ebenso stark wie Moscheen.

Dieser kulturelle Unterschied ist sofort spürbar. Die Atmosphäre wirkt offener und entspannter, ohne dabei ihren typisch indonesischen Charakter zu verlieren. Auf den Märkten wird gehandelt, aus den Garküchen zieht der Duft von Fisch, Gewürzen und Nelkenzigaretten herüber und überall bestimmen Motorroller das Straßenbild.

Für die meisten Besucher ist Manado jedoch vor allem eines:

Das Tor zum Bunaken Nationalpark.


Bunaken – zwei Inseln an einem Tag

Schon die einstündige Bootsfahrt von Manado nach Bunaken vermittelt das Gefühl, eine andere Welt zu betreten.

Dabei ist es nicht nur die tropische Kulisse, die diesen Ort besonders macht.

Es sind die Gezeiten.

Bei Ebbe zieht sich das Wasser weit zurück. Korallenflächen, Sandbänke und kleine Lagunen erscheinen dort, wo wenige Stunden zuvor noch Meer war. Mit der Flut verändert sich die Landschaft erneut und verwandelt sich zurück in eine tropische Inselkulisse.

Man lebt gewissermaßen an zwei verschiedenen Orten.

Unsere Unterkunft bestand aus einfachen Bungalows an einem bewaldeten Hang oberhalb des Meeres. Viel Luxus gab es nicht. Dafür Vogelstimmen am Morgen, das Rauschen der Wellen in der Nacht und eine Ruhe, die wir nach den vergangenen Reisewochen sehr genossen.

Der Hauptort der Insel lag etwa 45 Gehminuten entfernt. Der Weg führte durch tropische Vegetation, vorbei an kleinen Häusern und über eine schmale Straße durch den Dschungel.

Autos gibt es auf Bunaken nicht.

Allein das verändert die Atmosphäre einer Insel enorm.

Im Ort selbst finden sich einige Restaurants, kleine Geschäfte, Gästehäuser und eine überraschend große Kirche. Viel mehr braucht es eigentlich auch nicht.

Denn der wahre Schatz Bunakens beginnt dort, wo das Land endet.


Im Herzen des Coral Triangle

Der Bunaken Nationalpark wurde bereits 1991 gegründet und schützt einen Teil des sogenannten Coral Triangle.

Dieses Gebiet umfasst Teile Indonesiens, Malaysias, der Philippinen, Papua-Neuguineas, der Salomonen und Timor-Lestes und gilt als artenreichstes marines Ökosystem der Erde.

Mehr als 390 Korallenarten und über 2.000 Fischarten wurden hier nachgewiesen. Zum Vergleich: In der gesamten Karibik kommen weniger Korallenarten vor als allein im Bunaken Nationalpark.

Solche Zahlen beeindrucken.

Doch ihre wahre Bedeutung erkennt man erst beim Blick unter die Wasseroberfläche.

Schon wenige Meter vom Ufer entfernt eröffnet sich eine Welt aus Farben, Formen und Bewegungen. Rifffische in allen Größen ziehen zwischen den Korallen umher, Papageifische knabbern an den Riffen, Kaiserfische leuchten in intensiven Farben und hinter jeder Koralle scheint eine neue Überraschung zu warten.

Selbst nach mehreren Schnorchelgängen hatten wir das Gefühl, erst einen Bruchteil entdeckt zu haben.


Schildkröten soweit das Auge reicht

Viele Besucher hoffen in Bunaken auf eine Begegnung mit Meeresschildkröten.

Wir hatten zeitweise das Gefühl, sie würden auf uns warten.

Immer wieder tauchten die Tiere auf. Manche glitten langsam an den Steilwänden entlang, andere ruhten zwischen Korallenblöcken oder stiegen direkt vor uns zur Oberfläche auf.

Es waren nicht ein oder zwei Tiere.

Es waren viele.

Sehr viele.

Besonders häufig begegneten uns Grüne Meeresschildkröten, die in den geschützten Gewässern des Nationalparks ideale Bedingungen vorfinden. Die Tiere können deutlich über fünfzig Jahre alt werden und legen während ihres Lebens oft Tausende Kilometer zwischen Nist- und Futtergebieten zurück.

Für uns Erwachsene war das bereits beeindruckend.

Für Thore war es schlichtweg überwältigend.

Mit leuchtenden Augen verfolgte er jede einzelne Schildkröte. Noch Stunden später erzählte er begeistert von seinen Begegnungen und versuchte genau zu erklären, welche Schildkröte die größte gewesen war.

Entsprechend schnell verschwand er am Abend im Bett. Die vielen Eindrücke mussten schließlich verarbeitet werden.


Mitten in einer Delfinschule

Als wären die Schildkröten nicht bereits Erlebnis genug gewesen, hielt Bunaken noch eine weitere Überraschung für uns bereit.

Früh am Morgen brachen wir zu einer Delfintour auf.

Zunächst waren lediglich einige Rückenflossen in der Ferne zu erkennen. Wenige Minuten später wurden daraus Dutzende Tiere. Dann Hunderte.

Schließlich befanden wir uns mitten in einer riesigen Delfinschule.

Überall tauchten Tiere auf. Vor dem Boot, neben dem Boot und hinter dem Boot. Immer wieder sprangen sie aus dem Wasser, spielten in den Wellen und verschwanden wieder in den Tiefen der Celebessee.

Nord-Sulawesi zählt tatsächlich zu den besten Regionen Indonesiens, um große Schulen von Spinnerdelfinen und Großen Tümmlern zu beobachten.

Trotzdem hatten wir mit einer Begegnung dieser Größenordnung nicht gerechnet.

Wie viele Tiere es letztlich waren, lässt sich kaum sagen.

Vielleicht mehrere Hundert.

Vielleicht mehr.

In solchen Momenten verliert man irgendwann das Bedürfnis zu zählen.

Man genießt einfach.


Koboldmakis in den Mangroven

Ein weiteres Highlight erwartete uns auf dem Festland.

Bei einer geführten Tour durch die Mangrovenwälder nahe Manado hatten wir das große Glück, mehrere Koboldmakis zu entdecken.

Während viele Besucher diese faszinierenden Primaten vor allem aus dem Tangkoko-Nationalpark kennen, begegneten wir ihnen in ihrem natürlichen Lebensraum zwischen Mangroven, Küstenwald und dichter Vegetation.

Koboldmakis gehören zu den kleinsten Primaten der Welt und wirken mit ihren riesigen Augen beinahe wie Wesen aus einem Fantasyfilm.

Tatsächlich besitzen sie im Verhältnis zur Körpergröße die größten Augen aller Säugetiere. Da diese sich nicht bewegen können, drehen Koboldmakis ihren Kopf ähnlich wie Eulen um beinahe 180 Grad.

Sulawesi war über Millionen Jahre geografisch isoliert. Dadurch entwickelte sich eine außergewöhnliche Tierwelt mit zahlreichen endemischen Arten.

Die Koboldmakis gehören zu den bekanntesten Vertretern dieser einzigartigen Evolution.

Die Mangroven selbst waren dabei mindestens ebenso faszinierend. Ihre verschlungenen Wurzeln schützen die Küsten vor Erosion und dienen zahllosen Fischarten als Kinderstube. Zwischen den Ästen huschten Vögel umher, während die Koboldmakis nahezu lautlos zwischen den Bäumen verschwanden.

Eine dieser Begegnungen, die man sicherlich nicht vergisst.


Abschied von Sulawesi

Nach einer weiteren Nacht in Manado hieß es schließlich Abschied nehmen.

Hinter uns lagen die weißen Strände von Bira, die faszinierende Kultur Torajas, die Regenwälder von Tangkoko und die Korallengärten Bunakens. Sulawesi hatte uns während der vergangenen Wochen immer wieder überrascht – mit seiner Ursprünglichkeit, seiner landschaftlichen Vielfalt und einer Tierwelt, die man in dieser Form kaum an einem anderen Ort Indonesiens findet.

Besonders beeindruckt hat uns, wie unterschiedlich die einzelnen Regionen der Insel sind. Während Toraja mit seiner einzigartigen Kultur und den traditionellen Häusern faszinierte, boten Tangkoko und Bunaken einige der eindrucksvollsten Naturerlebnisse unserer bisherigen Reise. Sulawesi gehört ohne Zweifel zu den spannendsten Regionen, die wir bislang bereist haben.

Doch das nächste Kapitel unserer Weltreise wartete bereits.

Bali.


Bali – ein eigenes kleines Universum

Schon wenige Stunden nach unserer Ankunft wurde deutlich, dass Bali anders ist.

Nach mehreren Wochen auf Sulawesi fühlte es sich beinahe an, als hätten wir das Land gewechselt. Die Straßen waren voller, die Infrastruktur deutlich besser, die Auswahl an Restaurants größer und die Zahl internationaler Besucher erheblich höher.

Natürlich herrscht auch auf Bali Verkehr. Viel Verkehr. Vor allem rund um die touristischen Zentren scheint manchmal jeder Quadratmeter Straße von Motorrollern besetzt zu sein. Trotzdem wirkt vieles organisierter und einfacher als in vielen anderen Regionen Indonesiens.

Bali nimmt innerhalb des riesigen Inselstaates tatsächlich eine Sonderstellung ein. Während der größte Teil Indonesiens muslimisch geprägt ist, dominiert hier der balinesische Hinduismus. Tempel, Opfergaben und religiöse Zeremonien gehören zum Alltag. Kaum ein Haus, vor dem nicht kleine Körbchen mit Blumen, Reis und Räucherstäbchen liegen.

Auch geologisch unterscheidet sich die Insel von vielen ihrer Nachbarn. Bali liegt wie ein Großteil Indonesiens auf dem Pazifischen Feuerring. Die Vulkane Gunung Agung und Gunung Batur prägen nicht nur die Landschaft, sondern sorgen seit Jahrtausenden auch für fruchtbare Böden. Ohne sie gäbe es viele der berühmten Reisterrassen der Insel vermutlich nicht.

Schon nach wenigen Tagen verstanden wir, warum Bali für viele Reisende mehr ist als nur ein Urlaubsziel. Die Insel verbindet eine funktionierende Infrastruktur mit tropischer Landschaft, traditioneller Kultur und einer erstaunlich internationalen Atmosphäre.


Alltag auf Weltreise

Nach den vielen Ortswechseln der vergangenen Monate tat es gut, für einige Zeit anzukommen.

Thore freute sich auf seine internationale Kita. Wir freuten uns auf etwas Routine.

Unser Apartment mit Pool wurde für einige Wochen zu unserem Zuhause. Die Kita lag nur sieben Minuten mit dem Roller entfernt, eingebettet zwischen Reisfeldern, kleinen Tempeln und ländlicher Idylle. Schon nach wenigen Tagen gehörte die morgendliche Rollerfahrt zum festen Tagesablauf.

Es waren genau diese scheinbar unspektakulären Dinge, die wir nach den vielen Ortswechseln besonders genossen. Zum ersten Mal seit längerer Zeit konnten wir wieder regelmäßig selbst kochen. Wir kauften auf lokalen Märkten ein, richteten uns in unserem Apartment ein und hatten das Gefühl, für eine Weile wirklich irgendwo anzukommen.

Auch die Begegnungen mit anderen Familien waren eine schöne Abwechslung. Gespräche drehten sich plötzlich nicht mehr nur um Busverbindungen, Unterkünfte oder Fähren, sondern um Alltag, Kinder und gemeinsame Erfahrungen auf Reisen.

Während Ulrike die Gelegenheit nutzte, bei dem einen oder anderen Spa-Besuch zu entspannen und neue Bekanntschaften zu machen, tauchte ich tiefer in die überraschend vielfältige Craftbeer-Szene Balis ein.


Zwischen Craft Beer und Computerreparatur

Wer bei Indonesien zuerst an Bintang denkt, wird auf Bali schnell eines Besseren belehrt.

In den vergangenen Jahren hat sich auf der Insel eine kleine, aber bemerkenswert lebendige Craftbeer-Szene entwickelt. Besonders beeindruckt haben mich die kreativen Biere von IOI, das hervorragende Hazy IPA von Kura Kura und natürlich das inzwischen fast legendäre Black Sand IPA.

Viele dieser Biere probierte ich in kleinen Bars und Taprooms rund um Sanur und Canggu. Dabei fiel mir immer wieder auf, mit welcher Leidenschaft die Brauer und Gastronomen ihre Produkte präsentieren. Für Bierliebhaber bietet Bali deutlich mehr, als man in einem überwiegend muslimisch geprägten Land erwarten würde.

Aus diesen Entdeckungen entstand schließlich genug Material für einen eigenen Artikel in meiner Rubrik Bierweltreisen.

Fast genauso erfreulich war allerdings eine andere Entwicklung.

Nach langer Suche fand ich endlich eine Werkstatt, die mein defektes MacBook Air reparieren konnte. Der Bildschirm hatte bereits seit Wochen Probleme bereitet und unterwegs einen geeigneten Reparaturservice zu finden, war schwieriger als gedacht.

Ein neuer Bildschirm später funktionierte das Gerät wieder einwandfrei.

Wer auf Reisen regelmäßig schreibt, Fotos bearbeitet oder arbeitet, weiß solche kleinen Erfolge durchaus zu schätzen.


Sanur – die entspannte Seite Balis

Als Basis für unsere ersten Wochen auf Bali erwies sich Sanur als nahezu ideal.

Während Orte wie Canggu oder Seminyak in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert sind und vielerorts unter ihrem eigenen Erfolg leiden, wirkt Sanur deutlich entspannter. Die Strandpromenade lädt zu Spaziergängen ein, kleine Warungs wechseln sich mit Cafés und Restaurants ab und trotz des Tourismus scheint das Leben hier etwas gemächlicher zu verlaufen.

Vielleicht war genau das der Grund, warum wir uns hier so wohlfühlten.

Nach den intensiven Wochen auf Sulawesi brauchten wir keine neuen Abenteuer im Minutentakt. Wir genossen es, morgens gemeinsam zu frühstücken, Thore in die Kita zu bringen, nachmittags am Pool zu sitzen oder einfach durch die Reisfelder der Umgebung zu spazieren.

Natürlich hat Bali weit mehr zu bieten als Sanur. Doch gerade auf einer Langzeitreise wird einem immer wieder bewusst, dass nicht jeder Ort spektakulär sein muss.

Manchmal reicht es völlig aus, wenn er sich für eine Weile wie Zuhause anfühlt.


Nusa Penida – Abenteuer wider Willen

Natürlich wollten wir in unseren ersten Wochen auf Bali nicht ausschließlich Alltag erleben. An einem Wochenende entschieden wir uns deshalb für einen Ausflug nach Nusa Penida, jener Insel südöstlich von Bali, die in den vergangenen Jahren zu einem der bekanntesten Ausflugsziele der Region geworden ist.

Die spektakulären Steilküsten, türkisfarbenen Buchten und die Möglichkeit, Mantarochen in freier Wildbahn zu beobachten, locken jedes Jahr Tausende Besucher an. Die Insel gehört geologisch bereits zur Inselgruppe der Kleinen Sundainseln und unterscheidet sich landschaftlich deutlich vom dicht besiedelten Bali. Schroffe Kalksteinfelsen, steile Küsten und eine teilweise überraschend trockene Vegetation prägen das Bild.

Schon die Überfahrt machte jedoch deutlich, dass dieser Ausflug kein entspannter Tagestrip werden würde.

Der Wellengang war erheblich stärker als erwartet. Während ich das Naturschauspiel durchaus faszinierend fand, sahen Ulrike und Thore die Sache deutlich kritischer. Auch viele andere Passagiere an Bord wirkten zunehmend angespannt. Entsprechend groß war die Erleichterung, als wir schließlich den Hafen von Nusa Penida erreichten.

Doch lange konnten wir uns nicht ausruhen.

Denn unmittelbar nach der Ankunft ging es erneut aufs Wasser.


Mantas und die Kraft des Ozeans

Der eigentliche Grund für unseren Ausflug waren die Mantarochen.

Die Gewässer rund um Nusa Penida zählen zu den besten Orten weltweit, um diese beeindruckenden Tiere zu beobachten. Vor allem rund um Manta Point und Manta Bay bestehen das ganze Jahr über gute Chancen auf Begegnungen.

Mantarochen gehören zu den größten Rochenarten der Erde. Ausgewachsene Tiere können Spannweiten von mehr als fünf Metern erreichen und dabei mehrere Tonnen wiegen. Trotz ihrer Größe ernähren sie sich ausschließlich von Plankton und gelten als vollkommen ungefährlich für Menschen.

Die starken Strömungen des Indischen Ozeans transportieren nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche. Genau diese Strömungen machen die Region zu einem Hotspot der Artenvielfalt. Gleichzeitig sorgen sie aber auch für jene Wellen, die Bootsfahrten rund um Nusa Penida gelegentlich zu einer Herausforderung werden lassen.

Und genau das bekamen wir an diesem Tag zu spüren.

Das kleinere Boot, mit dem wir zu den Mantarochen fuhren, kämpfte sich durch dieselben Wellen, die uns bereits auf der Überfahrt begleitet hatten. Während einige Gäste tapfer versuchten, die Situation zu ignorieren, entschieden sich andere recht großzügig dazu, ihr Frühstück mit den Fischen zu teilen.

Am Ende wurden wir jedoch für alles entschädigt.

Gleich drei Mantarochen bekamen wir zu Gesicht.

Majestätisch glitten sie unter der Wasseroberfläche dahin. Mit ihren riesigen Flügeln wirkten sie beinahe schwerelos und erinnerten eher an fliegende Vögel als an Fische. Es war einer jener Momente, in denen selbst erfahrene Reisende für einen Augenblick sprachlos werden.

Nach weiteren Schnorchelstopps beruhigte sich das Meer allmählich und die allgemeine Erleichterung an Bord war deutlich spürbar.

Anstatt anschließend noch die Insel zu erkunden, entschieden wir uns im Interesse von Thore und Ulrike für einen entspannten Nachmittag an einem der schönen Strände der Insel.

Eine Entscheidung, die sich als ausgesprochen sinnvoll erwies.


Die Rückfahrt wird noch einmal wild

Nach einigen ruhigen Stunden am Strand blickten wir der Rückfahrt zunächst recht gelassen entgegen. Das Meer wirkte deutlich ruhiger und wir gingen davon aus, den aufregendsten Teil des Tages bereits hinter uns zu haben.

Ein Irrtum.

Denn die Wellen hatten offenbar beschlossen, uns einen würdigen Abschluss zu bescheren.

Schon kurz nach dem Ablegen begann das Schnellboot über die Wellen zu springen. Immer wieder krachte der Rumpf auf die Wasseroberfläche, Gischt spritzte über das Deck und die Passagiere klammerten sich an ihre Sitze.

Während die Crew und ich das Spektakel durchaus genießen konnten, hielt sich die Begeisterung bei den übrigen Passagieren in überschaubaren Grenzen.

Für Ulrike und Thore steht jedenfalls seit diesem Tag fest, dass Bootstouren dieser Größenordnung in nächster Zeit nicht unbedingt wiederholt werden müssen.

Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob diese Entscheidung dauerhaft Bestand haben wird.


Bali hat viele Gesichter

Inzwischen verstehen wir immer besser, warum Bali seit Jahrzehnten Menschen aus aller Welt anzieht.

Die Insel vereint auf engem Raum eine erstaunliche Vielfalt. Es gibt lebhafte Touristenzentren, ruhige Küstenorte, aktive Vulkane, dichte Wälder, jahrhundertealte Tempel und unzählige Reisterrassen. Gleichzeitig bietet Bali eine Infrastruktur, die das Reisen mit Kind erheblich erleichtert.

Gerade nach den oftmals ursprünglichen Regionen Sulawesis schätzen wir diese Mischung aus Abenteuer und Komfort.

Dennoch sind wir froh, dass wir uns nicht ausschließlich auf die bekannten Orte konzentrieren. Je länger wir hier unterwegs sind, desto spannender erscheinen uns die ruhigeren Gegenden abseits der touristischen Hotspots.


Blick nach Tembuku

Bevor wir Ende Juni nach Ostmalaysia und damit nach Borneo aufbrechen, möchten wir uns noch etwas intensiver in der Region rund um Tembuku umsehen.

Der kleine Distrikt liegt im Osten Balis und gehört zu jenen Gegenden, die viele Urlauber links liegen lassen. Genau das macht den Reiz aus.

Die Landschaft wird von Reisterrassen, kleinen Dörfern, Tempeln und fruchtbaren Tälern geprägt. Viele Familien leben hier noch von der Landwirtschaft, während der internationale Tourismus bislang eine deutlich geringere Rolle spielt als im Süden der Insel.

Nicht weit entfernt erheben sich die Hänge des Gunung Agung, des höchsten und heiligsten Vulkans Balis. Mit seinen über 3.000 Metern dominiert er große Teile der Insel und spielt bis heute eine zentrale Rolle im religiösen Leben der Balinesen.

Wir hoffen auf Wanderungen durch Reisfelder, Begegnungen mit Einheimischen, kleine Tempel, versteckte Wasserfälle und einen weiteren Blick auf jenes Bali, das jenseits der bekannten Postkartenmotive existiert.


Auf nach Borneo

Danach wartet bereits das nächste große Kapitel unserer Weltreise.

Mit Ostmalaysia und Borneo steht eine Region bevor, auf die wir uns seit Monaten freuen. Dichte Regenwälder, Orang-Utans, Nasenaffen, der Kinabatangan-Fluss und die Berge Sabahs versprechen erneut zahlreiche Abenteuer.

Doch bevor es so weit ist, genießen wir noch einige ruhige Tage auf Bali.

Nach Schildkröten, Delfinen, Koboldmakis, Mantarochen und wilden Bootsfahrten fühlt sich ein wenig Alltag schließlich auch ganz gut an.