Barnimer Brauhaus
Nur 50 Kilometer nördlich von Berlin beginnt eine Landschaft, die Theodor Fontane einst einen „Märchenplatz“ nannte. Sanfte Hügel, 70.000 Hektar Mischwald, glitzernde Seen und das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin prägen das Barnimer Land – eine Region, die Ruhe ausstrahlt und dennoch voller Geschichten steckt. Eine davon: Nora und Sören von Billerbeck.
Vom Backsteintraum zur neuen Heimat
Die beiden Sänger des Rundfunkchors Berlin verliebten sich nicht nur ineinander, sondern auch in ein altes Bahngebäude in Niederfinow – halb Backstein, halb Fachwerk. Gekauft 2002, mit eigener Hände Arbeit saniert. Was als Rückzugsort begann, wurde 2005 zur neuen Heimat.
Doch Sören wäre nicht Sören, wenn er nach dem letzten verlegten Boden zufrieden gewesen wäre. Ihm schwebte längst etwas anderes vor: das erste eigene Bier.
Die Anfänge im Schuppen
Der erste Sud – gemeinsam mit einem Freund in der Küche gebraut – endete in einem kleinen Desaster. Nora verbannte die beiden kurzerhand in den Schuppen. Dort stand bald ein ausgemusterter Wurstkessel, holzbefeuert, 80 Liter Ausschlagmenge. Aus ersten Experimenten wurden schnell ernsthafte Versuche. Rezepte entwickelten sich weiter, neue Stile kamen hinzu.
Auf dem Dorffest wurden die Biere erstmals ausgeschenkt. Festbier, Landbier, Pale Ale, IPA – letzteres wurde unerwartet zum heimlichen Star. „Dit schmeckt jut“, meinte ein Dorfbewohner anerkennend. Ein Satz, der hängen blieb.
Der Schritt vom Hobby zur Berufung
2015 stand die große Entscheidung an: Hobby oder Zukunft? Es wurde die Zukunft. Nora und Sören planten ihre eigene Brauerei, besichtigten Anlagen weltweit, verglichen Technik und bauten gleichzeitig – natürlich in Eigenleistung – ihr künftiges Brauhaus.
Heute steht im Barnimer Brauhaus eine moderne 5-hl-Sudanlage, dazu zehn Gär- und Lagertanks à 500 Litern. Die Kapazitäten sind bereits ausgereizt; Erweiterungen sind bestellt.
Regionale Braukultur mit eigener Handschrift
Für Nora und Sören ist eines zentral: Regionalität. Keine Craftbier-Inszenierung, sondern ehrliches Bier aus Brandenburg. Ihr Sortiment umfasst inzwischen 14 Bierstile, darunter saisonale Spezialitäten wie ein Pumpkin Ale mit Kürbissen aus dem Oderbruch oder ein Coffee Ale in Kooperation mit einer regionalen Rösterei – ausgezeichnet mit Gold beim Meininger Award.
Der Großteil des Absatzes bleibt in Brandenburg, ausgewählte Lokale in Berlin ergänzen die Ausstrahlung. Während der Pandemie half die Vielfalt des Sortiments – und der eigene Online-Shop.
Ein Ort für Begegnungen
Das Barnimer Brauhaus soll ein kulinarischer Treffpunkt werden: Verkostungen, Führungen, kleine Veranstaltungen, regionale Küche. Beides – Bier und Begegnung – gehört für die beiden zusammen.
Die Nähe zum historischen Schiffshebewerk Niederfinow bietet zusätzliche Synergien. Zur Wiedereröffnung entsteht ein eigenes Bier – natürlich aus Niederfinow.
Empfehlung
Wer im Norden Brandenburgs oder in Berlin unterwegs ist, sollte einen Abstecher ins Barnimer Land einplanen. Nicht nur wegen der Wälder und Seen, sondern auch wegen dieser kleinen, bodenständigen Brauerei, die mit Leidenschaft, Handwerk und Wärme überzeugt.