Letze Schanze

Schanzenbräu – Wo Nürnbergs Rotbier wieder Heimat findet

Gostenhof, der wohl eigenwilligste Stadtteil Nürnbergs, hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Wandlung erlebt. Aus einem Viertel mit Hinterhofromantik und industriellem Erbe wurde eine lebendige Kreativszene – und mittendrin entstand eine Biergeschichte, die heute fest zur fränkischen Bierkultur gehört: das Schanzenbräu Nürnberg.

Es war Stefan Stretz, Brauer, Ingenieur und unbeirrbarer Idealist, der diesen Wandel entscheidend mitgestaltete. Was er 2004 gründete, ist weit mehr als eine Brauerei: ein Treffpunkt für die Nachbarschaft, ein Ort der Gastfreundschaft – und ein Motor der modernen Craft-Beer-Bewegung in Nürnberg.


Die Schankwirtschaft – Herzstück der Begegnung

Wer das Schanzenbräu betritt, spürt sofort den Geist des Viertels: warmes Holz, gedämpftes Licht, Stimmen, die den Raum füllen. Keine laute Musik, keine Inszenierung – nur echte Begegnungen, fränkische Hausmannskost und Bier, das in Gostenhof längst Kultstatus hat.

Im Mittelpunkt steht ein Bierstil, der fast verschwunden war und durch Schanzenbräu Rotbier seine Renaissance fand. Malzaromen, fein-fruchtiger Hopfen, ein süffiger Körper – ein Bier, das Geschichte erzählt. 2019 holte es Gold beim Meininger’s International Craft Beer Award und wurde damit endgültig zum Aushängeschild der Nürnberger Rotbier-Tradition.


Vom Hinterhof zur Nürnbergs größten Privatbrauerei

Die Brauereigeschichte beginnt bescheiden – im Keller einer Hinterhofwerkstatt in der Bärenschanzstraße. Dort braute Stretz seinen ersten Sud in ausgedienten Waschkesseln, während seine Freunde an amerikanischen Straßenkreuzern schraubten. Hier entstanden Name und Logo: Schanzenbräu.

Was als Hobby begann, wurde ernst, als Stretz – nach Ausbildung, Braustudium und Auslandserfahrung – 2006 seine erste kleine Brauerei aus alten Ventilen und Rohren zusammenbaute. Nur wenige Jahre später zog er in eine ehemalige Metzgerei im Herzen Gostenhofs um.

Heute gilt Schanzenbräu als eine der größten unabhängigen Privatbrauereien Nürnbergs, ein Leuchtturm für handwerklich gebrautes Bier in Franken.


Bierkultur trifft Stadtteilkultur – Gostenhof als Szenequartier

Stretz erkannte früher als andere, welches Potenzial in diesem Stadtteil steckte. Gemeinsam mit Kreativen, Ladenbesitzern und Gastronomen formte er ein Viertel, das heute zu den lebendigsten in Nürnberg zählt. Fahrradläden, Goldschmiede, Modelabels – und mittendrin die Schankwirtschaft, ein Fixpunkt für Genießer und Nachbarn.

Die Brauerei Nürnberg Gostenhof ist damit längst nicht nur Produktionsort, sondern kultureller Anker des Quartiers.


Teamgeist, Familie und die Nürnberger Brau Gemeinschaft

Der Weg war nicht immer leicht. Steigende Preise für Malz, Glas, Energie und Logistik machten auch Schanzenbräu zu schaffen. Doch Stretz blieb standhaft – unterstützt von seiner Familie, die überall mit anpackt.

Ein Höhepunkt des Gemeinschaftsgeistes: die Gründung der Nürnberger Brau Gemeinschaft während der Corona-Zeit. Neun Brauereien brauten gemeinsam das „Zusammen Halbe“ – ein Bier als Zeichen von Solidarität und der Wille, die Nürnberger Bierkultur zu bewahren.

„Wir sitzen alle im selben Boot – und wir alle haben Familien“, sagt Stretz. „Man schafft es nur als Team.“


Was Schanzenbräu heute ausmacht

• Authentische fränkische Braukultur
• Wiederentdeckung des traditionellen Nürnberger Rotbiers
• Handwerkliche Biere mit Charakter, jenseits der Kategorien
• Tiefe Verwurzelung im Stadtteil Gostenhof
• Engagement für regionale Biertradition und gemeinschaftliche Projekte

„Meine Heimatstadt liegt mir einfach am Herzen“, sagt der gebürtige Nürnberger. Wer das Schanzenbräu besucht, schmeckt genau das: Bier als Kultur, als Handwerk, als Haltung.

In jeder Flasche steckt ein Stück Nürnberg – ein Stück Gostenhof – und ein Versprechen, diese Tradition weiterzutragen.