„Cead míle fáilte“ – Eine irische Bierreise zwischen wilder Natur, Pubs und Geschichten
Auf den Spuren von Guinness, Craft Beer und der irischen Seele
„Es ist nicht so, dass die Iren zynisch wären. Es ist eher so, dass sie einen wunderbaren Mangel an Respekt für alles und jeden haben.“
Für den Rebellen Brendan Behan war das keine Kritik, sondern eine Liebeserklärung – an ein Volk, das sich selbst nicht zu ernst nimmt und gerade deshalb so ernst zu nehmen ist.
Irland empfängt uns mit einem „Cead míle fáilte“ – tausendfach willkommen. Willkommen im Land der Geschichtenerzähler, Musiker, Philosophen und natürlich der Biertrinker. Die mit Wikinger Reisen organisierte Tour „Wilde Landschaften, Pubs und redselige Gastgeber“ führt mitten hinein in die Seele der irischen Pub- und Bierkultur: in jene Orte, die Wohnzimmer, Kulturzentrum und Volkskundearchiv zugleich sind.
Irlands Bierszene hat sich in den letzten zehn Jahren neu erfunden: Neben Guinness prägen junge, vielseitige Mikrobrauereien wie die Treaty City Brewery (Limerick), die Metalman Brewery (Waterford) oder die Galway Brewery das Bild. Sie beweisen, dass Irland längst mehr ist als Stout und Folk – es ist ein Land, das Tradition immer wieder modern interpretiert.
Von Dublin nach Sligo – erster Kontakt mit der Wild Atlantic Soul
Nach einem kurzen Flug erwartet uns am Flughafen Dublin bereits der Transferbus. Quer durch die „Smaragdinsel“ geht es über drei Stunden in den Nordwesten nach Sligo, ins kulturelle Herz des Nordens. Der Name bedeutet „Ort der Muscheln“, und tatsächlich liegt die Stadt eingebettet zwischen Atlantik, Garavouge River und einem Grün, das jeden Farbton zu kennen scheint.
Sligo ist Literatur, Folklore, Musik – und eine jener Städte, die sofort in den Bann ziehen. Nach dem Hotelbezug führt der Abend ins Hargadons, ein Pub von 1864, ein verwinkeltes Schmuckstück voller Mahagoni, Geschichte und Stimmen. Ein Pub, das man nur ungern wieder verlässt.
Küstenpfade, Tafelberge und die nördlichste Mikrobrauerei Irlands
Am nächsten Morgen beginnt der Tag mit einem irischen Frühstück und einer Wanderung entlang des Killaspugbrone Loop – ein 2,5-stündiger Küstenweg durch Sanddünen, Salzwiesen und Kiefernwälder. Der Blick schweift über den Knocknarea Mountain und – bei klarer Sicht – über den eindrucksvollen Ben Bulben, Sligos ikonischen Tafelberg.
Hier versteht man, warum W. B. Yeats Sligo als seine geistige Heimat betrachtete.
Weiter geht es in die nördlichste Grafschaft der Republik, nach Donegal, zur Kinnegar Brewing Company. Eine Mikrobrauerei wie aus dem Bilderbuch: kreativ, mutig, ausgezeichnet – und natürlich mit Tasting. Der Rückweg nach Sligo führt uns abends in die gemütliche Brewery Bar.
County Mayo – Bier aus den Tiefen eines heiligen Berges
Der folgende Tag führt ins raue County Mayo, an den Fuß des heiligen Berges Croagh Patrick. Hier gründeten Bart und Cillian im Jahr 2013 die Mescan Brewery, benannt nach Mescan, dem Brauer des heiligen Patrick. Drei Jahre lang perfektionierten sie ihre Rezepte auf einer selbstgebauten 50-Liter-Anlage. Heute arbeiten sie auf 10 hl – und wir verkosten belgisch inspirierte Biere, gebraut mit Quellwasser aus den Tiefen des „Reek“.
Anschließend geht es auf den Kennagh Loop Walk: Panoramen, klare Bäche, Bergketten, Hochmoore – ein Mayo in seiner ursprünglichsten Form.
Connemara – Moor, Meer, Berge und das vibrierende Galway
Der Connemara National Park ist ein eigenes Kapitel irischer Natur: 3000 Hektar aus Mooren, Tälern, Seen und den ikonischen Connemara-Ponys. Wir steigen zum Diamond Hill auf und genießen einen der schönsten Blicke über die Atlantikküste.
Die Weiterfahrt führt vorbei am sagenumwobenen Kylemore Abbey und durch das malerische Inagh Valley – eine Landschaft, die wirkt, als sei sie für Mythen entworfen worden.
Ziel des Abends: Galway.
Laut, lebensfroh, jung – eine Stadt, in die man sich sofort verliebt. Wer mag, beginnt den Abend in der Oslo Bar oder im legendären Salthouse, einem der besten Craft-Beer-Pubs des Landes.
Cliffs of Moher, Burren und zwei weitere Brauereien
Am nächsten Morgen steht eine der berühmtesten Brauereien im Westen auf dem Programm: die Galway Hooker Brewery, benannt nach den traditionellen Segelbooten der Region. Mehrfach ausgezeichnet, charaktervoll und drittälteste unabhängige Brauerei Irlands.
Von hier aus führt die Fahrt durch den mystischen Burren, eine karge Karstlandschaft voller Geschichten, weiter zu den Cliffs of Moher. 215 Meter hoch, 7 Kilometer lang – ein Naturmonument, das Demut lehrt.
Nach einer Wanderung nach Doolin, dem Zentrum irischer Livemusik, besuchen wir die Burren Brewery. Drei Biere – dreimal Charakter. Vielleicht wird es später noch ein Absacker mit Live-Musik.
Limerick, Killarney und Pubkultur im Herzen des Nationalparks
Der Tag beginnt in Limerick mit der Treaty City Brewery. Eine Brauerei, die vom 20-Liter-Kochtopf zur 30-hl-Anlage wuchs – und deren Gründungsgeschichte mit Kanada verknüpft ist.
Weiter geht es nach Killarney. Unsere Wanderung führt vom Ross Castle entlang des malerischen Lough Leane zum Library Point. Killarney liegt eingebettet zwischen den Macgillycuddy’s Reeks, Irlands höchstem Gebirge, und den drei Seen des Nationalparks. Die Pubszene ist vielfältig und lebendig; auch eine kleine Brauerei mit Taproom sorgt für süffige Abende.
Dingle – Legenden, Wellen und die erste Mikrobrauerin Kerrys
Die Halbinsel Dingle vereint alles, was Irlands Westen ausmacht: Wind, Salz, Klippen, Weite. Im Dorf Annascaulbesuchen wir das legendäre „South Pole Inn“ – Heimat des Antarktisforschers Tom Crean – und wandern über die Brackloon Ridge mit Blicken, die den Atem rauben.
Später geht es zur West Kerry Brewery, gegründet 2008 von Adrienne Heslin, der ersten Mikrobrauerin Kerrys. Ein Stück irische Biergeschichte.
Abschluss: Canvas Brewery, Rascals Brewing und ein letztes Sláinte in Dublin
Auf dem Rückweg nach Dublin besuchen wir die Canvas Brewery and Farm – eine Brauerei, die konsequent experimentiert: spontane Vergärungen, Kräuterbiere, Verbindung von Landwirtschaft und Braukunst.
Den letzten Akt übernimmt die Rascals Brewery mit einem umfassenden Tasting. Danach bietet sich ein Abend in Dublin an – vielleicht ein Spaziergang durch das Temple Bar Viertel?
Slán agus beannacht – Auf Wiedersehen, Irland
Neun Tage lang wilde Landschaften, frischer Wind, rote Wangen, Bierstile voller Charakter und Menschen voller Geschichten.
Ein Land, das man nicht bereist, sondern erlebt.
Ein Land, das man nicht vergisst.