Störtebeker – Freibeuter auf Kurs
Von einer Stralsunder Traditionsbrauerei zur Marke mit Vortrieb
Der Mythos Störtebeker – zwischen Legende und Geschichte
Der Name Störtebeker stammt wohl aus dem Niederdeutschen: „Stürz den Becher“.
Ein Freibeuter, der angeblich vier Liter Bier in einem Zug austrinken konnte?
Zumindest taucht der Name Ende des 14. Jahrhunderts in britischen Chroniken auf.
Es gab ihn. Was wahr ist und was Legende, bleibt offen – wie bei jedem Helden.
Die berühmteste Episode: 1401 soll Klaus Störtebeker in Hamburg geköpft worden sein und – so die Sage – kopflos noch an elf Gefährten vorbeigelaufen sein, um deren Leben zu retten. Physiologisch unmöglich. Mythologisch unsterblich.
Was bleibt: Die Sehnsucht nach Freiheit, Mut, Gerechtigkeit.
Ideen, die heute – ganz bewusst – in einer Brauerei weiterleben.
Von der Stralsunder Vereinsbrauerei zur Störtebeker Braumanufaktur
1827 wurde die Stralsunder Vereinsbrauerei gegründet – Hoflieferant der Ostseebäder.
Ende des 19. Jahrhunderts entstand der Neubau, technisch führend (eine der ersten Linde-Kältemaschinen).
Die Brauerei überstand den Zweiten Weltkrieg, litt jedoch unter Demontage und sozialistischer Planwirtschaft – die Bierqualität sank dramatisch.
1991 übernahm Jürgen Nordmann das Unternehmen für 1 Million DM.
Der Absatz brach von 100.000 Hektolitern (DDR) auf 10.000 Hektoliter ein.
Es begann ein behutsamer Wiederaufbau.
1998: Wieder Flaschenabfüllung
2005: 88.000 Hektoliter
2011: Namensänderung – Störtebeker Braumanufaktur
Ein genialer Schachzug: ein frei verfügbarer Name, voller Symbolkraft.
Wachstum entgegen dem Trend
2013: 110.000 Hektoliter – das erfolgreichste Jahr bis dahin.
Während der deutsche Biermarkt -2% verzeichnete, wuchs Störtebeker um +10%.
Der Grund:
Handwerk statt Gleichmacherei.
Kreation statt Kopie.
Markenidentität statt Austauschbarkeit.
Der Ausbau folgte konsequent:
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Erweiterung des Gärkellers
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Modernisierung des Sudhauses
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Gastronomie in der Elbphilharmonie Hamburg
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neues Etikettendesign
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Relaunch der Website
2015: 140.000 hl
2016: 180.000 hl
2018: 248.000 hl
2020: neue Abfüll- und Logistikhalle
Während der Pandemie: Absatzplus – dank Flaschenvertrieb über Handel.
Braukunst mit Auszeichnungen und Profil
20 Brauspezialitäten (plus saisonale Kreationen)
Mehrfach international prämiert:
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Kellerbier 1402 – Weltmeister
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Roggen-Weizen – Weltmeister
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Pazifik-Ale – Weltmeister
Dazu Ehrungen beim European Beer Star und dem International Craft Beer Award.
Störtebeker schafft das Kunststück, Qualität und Erschwinglichkeit zu verbinden.
Die Zusammenarbeit zwischen Brauern und Biersommeliers ist sichtbar professionell – kein Wunder, kommt mit Elisa Raus die erste weibliche Weltmeisterin der Biersommeliers aus Stralsund.
Und bemerkenswert:
Jedes 7. verkaufte Bier ist alkoholfrei.
Genussempfehlung – persönlich und unverblümt
Für mich sind Störtebeker-Biere hervorragend ausbalanciert.
Derzeitige Favoriten:
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Übersee-Pils – knackig, frischfruchtig, mit klarer Herbe
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Nordisch Hell – schlank, präzise, ein überzeugender Stilvertreter
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Pazifik-Ale – tropische Hopfenaromen, exotisch und komplex
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Atlantik-Ale alkoholfrei – Maßstab für alkoholfreien Geschmack
Erlebniswelt Stralsund – auf Kurs Richtung Zukunft
Brauereiführungen, Bierseminare, Biersommeliererlebnisse –
mehr als 15.000 Besucher jährlich.
Hier entsteht ein Bieruniversum, das nicht nur verkauft –
es erklärt, vermittelt, begeistert.
Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer
2017 rief Störtebeker die Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer ins Leben.
Schon 2015 gab es beim Störtebeker Bierfestival Wettbewerbe mit hoher Resonanz.
Wert: Austausch.
Wert: Feedback.
Wert: gemeinsames Lernen.
Weitere Initiativen folgten: Zusammenarbeit mit der drinktec, Kooperationen, später die Bayreuther Home Brew Bayreuth.
Wichtig bleibt:
Dass dieses schönste aller Hobbys nicht zum Spielball wird.
Eine gemeinsame Meisterschaft wäre eine verbindende Idee.
Denn auch Störtebeker war Spielball der Mächtigen –
zwischen Schweden, Dänemark und der Hanse.
Es ging damals um Absatzmärkte und Einfluss.
Und es geht heute wieder darum.
Mit einem Unterschied:
Heute kann man gemeinsam gewinnen.
Fazit
Die Störtebeker Braumanufaktur ist:
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historisch verwurzelt
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handwerklich konsequent
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geschmacklich präzise
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strategisch mutig
Ein Freibeuter der Bierwelt –
auf Kurs, nicht gegen den Wind, sondern mit Haltung.
Und genau deshalb lohnt der Besuch in Stralsund.
Nicht für Legenden.
Sondern für gelebtes Bierhandwerk.