Der Zauber Südenglands

Die Küste Südenglands ist fast 1.000 Kilometer lang – und doch wirkt sie nie überwältigend, sondern einladend. Bizarre Felsformationen wechseln sich mit sanften, grasbewachsenen Hügeln ab, tiefe Schluchten gehen über in weite Strände. Es ist eine Landschaft, die atmet. Und die sich Zeit nimmt.

Das milde Klima, geprägt vom Golfstrom, verleiht dieser Region etwas beinahe Mediterranes. Palmen, üppige Stauden und exotische Gehölze wachsen hier ganz selbstverständlich. Südengland ist das Gartenreich Europas – und das seit Jahrhunderten. Schon die Römer legten hier Gärten an, später prägten Renaissance und Tudorzeit die Gartenkunst nachhaltig. Unter Heinrich VIII. und Elisabeth I. wurden Gärten zu Orten der Repräsentation, der Ordnung, der Schönheit.

Im 18. Jahrhundert begann eine neue Epoche: Landschaftsgestalter formten Parks, die nicht mehr streng, sondern scheinbar natürlich wirkten. Bis heute ist die Dichte an historischen und privaten Gärten im Süden Englands einzigartig. Oft hat man das Gefühl, durch einen einzigen, riesigen Landschaftsgarten zu reisen.

Dazu kommen Dörfer, die ihr ländliches Idyll bewahrt haben. Natursteinhäuser, schmale Heckenwege, kleine Kirchen, Dorfanger – Orte, an denen die Zeit langsamer vergeht. Vielleicht, weil man sie hier nie beschleunigt hat.

Südengland lässt sich besonders gut mit dem Rad entdecken. In ruhigem Tempo erschließt sich die Landschaft, öffnet sich der Blick für Details: ein altes Tor, ein Garten hinter einer Mauer, ein Picknickplatz mit Aussicht. Die Gedanken werden leicht, fast unaufdringlich – ganz so, wie man es aus den Romanen von Jane Austen kennt.

Diese Region ist kein Ort für große Dramatik.
Sie verzaubert leise.
Und genau darin liegt ihr Reiz.