Die Normandie ist bezaubernd.
Weite Strände, Gärten wie aus dem Paradies und Delikatessen, von denen man nicht genug bekommen kann. Grüne Wiesen unter weitem Himmel, Kornfelder, von Mohnblumen gesäumt, sanfte Hügel. In ihrer Mitte die Seine, die sich in ausladenden Schleifen an Steilwänden, Auwäldern und Sümpfen vorbeischiebt, bis sie am Atlantik ankommt – und im funkelnden Wasser verschwindet.
„Jeden Tag entdecke ich noch schönere Dinge, es ist zum Verrücktwerden“, sagte Claude Monet, als er einen Sommer lang an der Küste des Ärmelkanals malte. Ein Satz, der die Normandie bis heute treffend beschreibt.
Wer diese Region bereist, taucht ein in die Welt der Impressionisten. Küsten, Flussufer, Kathedralen und Gärten wirken vertraut, fast schon gesehen – als hätte man sie schon einmal gemalt. Monet, Pissarro, Manet, Boudin, Renoir oder Gauguin haben dieser Landschaft einen eigenen Blick geschenkt, der bis heute nachwirkt.
Der Einstieg in die Normandie könnte kaum stimmungsvoller sein als im kleinen Städtchen Les Andelys. Hoch über dem Ort thront Château Gaillard, die mächtige Burgruine, die einst Richard Löwenherz errichten ließ. Von hier folgt man der Seine flussabwärts, vorbei an geschichtsträchtigen Städten wie Rouen, Neufchâtel-en-Bray und Dieppe – immer begleitet von wechselnden Lichtstimmungen und der ruhigen Kraft des Wassers.
Die Küste der Normandie erstreckt sich über mehr als 600 Kilometer – von Le Tréport im Nordosten bis zum Mont-Saint-Michel im Südwesten. Die Brandung der „La Manche“, des Ärmelkanals zwischen Atlantik und Nordsee, trifft auf fast marmorweiße Kreideklippen, formt Bögen und Nadeln wie bei Étretat und flutet die weiten, offenen Strände der Westküste. Der mächtige Felsbogen Porte d’Aval, die weite Mündung der Seine und die elegante Pont de Normandie markieren landschaftliche Höhepunkte auf dem Weg nach Honfleur – einem der schönsten Hafenorte Frankreichs.
Doch die Normandie ist nicht nur Landschaft, sie ist Geschichte. Auf den Spuren von Rollo dem Wikinger, Wilhelm dem Eroberer, Richard Löwenherz und Johanna von Orléans verdichtet sich Vergangenheit zu Gegenwart. Auch der D-Day von 1944 ist hier allgegenwärtig – still, respektvoll, eindringlich.
Und natürlich ist die Normandie Genuss. Nicht umsonst gilt sie als eine der großen Speisekammern Frankreichs. Berühmt für ihre drei Cs: Cidre, Calvados und Camembert. Dazu frische Meeresfrüchte, kräftige Küche und eine Bodenständigkeit, die perfekt zur Landschaft passt.
Die Normandie ist kein Ort für Eile.
Sie ist ein Ort für Blicke, für Licht, für Geschmack –
und vielleicht ein kleines Stück vom Garten Eden.