Das Guinness Buch der Rekorde

Unterwegs auf dem Brauereienweg in Aufseß
Bierwandern zwischen Tradition, Genuss und Welterbegefühl


Es gehört wohl zum Schönsten, was es gibt: eine Bierregion zu erwandern.
Wenn ich mit einer Gruppe Biergenießer unterwegs bin, höre ich oft:
„Beim Loslaufen und bei der Einkehr zum Bier habe ich die schönsten Glücksgefühle.“
Mir geht es genauso. Das langsame Tempo lässt Landschaft, Licht, Gerüche und Begegnungen intensiver werden.
Und das Bier im Krug – regional, ehrlich, charaktervoll – vertieft das Verständnis für Menschen und Orte.
Bierwanderungen sind Kulturreisen mit Tradition, Brauchtum und erlebbarer Regionalität.

Erich Kästner brachte es auf den Punkt:
„Tore bereisen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Tavernen.“
Wer beides verbindet – Wege und Wirtshäuser – landet früher oder später in Oberfranken.


Oberfranken – das Mekka der Bieranbeter

Oberfranken, auch Bierfranken, ist weltweit einzigartig:
über 200 Brauereien, die höchste Brauereidichte der Welt.

Ein Brennpunkt dieser Vielfalt ist die Fränkische Schweiz mit 69 Privatbrauereien, eingebettet in eine Berg- und Hügellandschaft mit markanten Felsen.

Und mittendrin liegt Aufseß – die Weltrekordgemeinde des Bieres.
Eine Brauerei auf 350 Einwohner.
Ein idealer Einstieg in die Kunst des Bierwanderns:
kurze Etappen, vier eigenständige Brauereipersönlichkeiten, ein perfekt angelegter Rundweg.


Guinnessbuch & Brauereienweg – wie aus einer Idee ein Klassiker wurde

Manchmal reicht ein Abend, ein Gespräch und ein Gedanke.

Ludwig Bäuerlein, langjähriger ehrenamtlicher Bürgermeister, saß mit Bürgern im Gasthof, ein Artikel über Brauereidichte lag auf dem Tisch – und die Idee reifte:
Aufseß fürs Guinnessbuch der Rekorde anzumelden.

Nach eineinhalb Jahren kam die Bestätigung:
Weltrekord für die höchste Brauereidichte.

Die Berichterstattung nahm Fahrt auf – zuerst regional, dann bayernweit, dann bundesweit.
Parallel entstand eine regionale Entwicklungsgesellschaft.
Beide Fäden wurden zusammengeführt – Ergebnis: der Brauereienweg.

Vier Brauereien, eine Runde, Genuss als Konzept.
Ein Geschenk an alle Bierkulturliebhaber.


Licht und Schatten – und warum es heute wieder so gut ist

Der Brauereienweg wurde 2001 eröffnet.
Die Nachfrage wuchs explosionsartig.

Doch mit dem Erfolg kam eine Phase, die dem Weg nicht gerecht wurde:
Reisegruppen mit „Ballermann-Interpretation“ – laut, betrunken, respektlos.

Die Brauereien und die Gemeinde reagierten.
Regeln wurden angepasst, Busse gesteuert, Verhalten sanktioniert.

Heute ist der Brauereienweg wieder das, was er sein soll:
ein Genuss- und Kulturweg.
Ein Weg für Menschen, die Bier ernst nehmen – und trotzdem Freude daran haben.


Vier gewinnt – die Brauereien auf dem Weg

Die Etappen sind maximal 4,5 km lang.
Der Rundweg kann überall begonnen werden.
Unterhopfung ausgeschlossen.


1. Aufsesser Brauerei – Start mit Zwickl

Mein Startpunkt: Brauereigasthof Rothenbach, unterhalb von Schloss Unteraufseß.
Übernachten, losgehen, genießen.

Direkt daneben: die moderne Aufsesser Brauerei.
Regionalität ist Programm – eigene Landwirtschaft, Hopfen aus Spalt, sechs Biere.

Mein erstes Seidla: Aufsesser Zwickl – naturtrüb, vollmundig, malzig, mit feiner Hopfenbittere.
Dazu ein Käsebrett.
Ein idealer Auftakt.

Dann weiter entlang der Aufseß, vorbei am Oberaufseßer Schloss, über Panoramafelsen nach Sachsendorf.


2. Brauerei Stadter – pädagogisches Bier und Holzfeuerromantik

Nach 4,5 Kilometern erscheint die älteste Brauerei des Ortes: Stadter.

Über 130 Jahre Brautradition – und noch immer mit Holzfeuer und Riementransmission.

Das dunkle Bier: malziger Beginn, kräftige Hopfennote, trockener Abgang.
Brauer Martin Schuster nennt es sein „pädagogisches Bier“.

Er ist eigentlich Lehrer – sprang aber ein, um die Tradition und den Weltrekordstatus zu sichern.
30 Jahre lang Erlebnisbrautage – Brauen zum Anfassen.
So beeindruckend, dass Matt Sweetwood „Beerland“ hier mitfilmte.


3. Brauerei Reichold – Familie, Lagerbier und fränkische Küche

Der Weg führt durch Felder und Wälder nach Hochstahl.

Hier liegt die Brauerei Reichold.
Vier Generationen, vier Biere, moderne Technik.

Ich wähle das helle Lager:
hell-gold, cremiger Schaum, mild, leicht würzig, dezent süß – sehr ausgewogen.
Dazu Braten mit Knödeln.
Fränkischer geht’s kaum.

Wer bleiben möchte: 27 Gästezimmer und ein Wohnmobilstellplatz.

Die nächste Brauerei ist nur 2,1 Kilometer entfernt.


4. Kathi Bräu – Wohnzimmer, Motorradmekka und Slow Brewing

Die letzte Etappe führt nach Heckenhof.
Hier liegt die legendäre Kathi Bräu.

Motorradfahrer, Wanderer, Einheimische – alle im Gespräch.
Der Biergarten ist großartig, die Gaststube familiär.

Brauer Alois Maxemilian Schmitt sagt:
„Wir haben Slow Brewing gemacht, bevor es den Begriff gab. Wir haben Zeit – und das schmeckt man.“

Zwei Biere seit 20 Jahren: Kathi Dunkel und Kathi Leicht.
Mein Favorit: Kathi Dunkel – mahagonifarben, karamellig, hopfig-schlank, traditionell im Kühlschiff gekühlt.

Nur noch 1,2 Kilometer bergab – fast automatisch.


Warum dieser Weg Zukunft hat

Aufseß hat früh verstanden, wie kraftvoll Bier + Natur + Kultur als Kombination ist.
Heute entstehen vielerorts Bierwanderwege – aber hier liegen die Wurzeln.

Menschen suchen:

  • regionale Geschmackserlebnisse

  • Geschichten von Land und Leuten

  • echte Begegnungen

  • Genuss ohne Inszenierung

Der Brauereienweg liefert genau das.


Empfehlung zum Schluss

Ich kann nur einladen, diese Pioniere des Bierwanderns zu erleben.
Oder, um den Dalai Lama zu zitieren:

„Einmal im Jahr solltest du einen Ort besuchen, an dem du noch nie warst.“

Aufseß ist dafür ein ausgesprochen guter Anfang.