Klimabewusstes Bier aus dem Westerwald: die Westerwald-Brauerei Hachenburg
Vom „Grenzen des Wachstums“ zur Brauerei im Westerwald
Vor über 50 Jahren warnte der Club of Rome in „Die Grenzen des Wachstums“ vor einem „Weiter so“ in einer ausschließlich wachstumsgetriebenen Welt. Kein exakter Zukunftsfahrplan, sondern ein Weckruf: Exponentielles Wachstum und begrenzte Ressourcen passen auf Dauer nicht zusammen.
Noch älter ist der Begriff der Nachhaltigkeit. Hans Carl von Carlowitz prägte ihn Anfang des 18. Jahrhunderts in der Forstwirtschaft: Nur so viel Holz schlagen, wie nachwachsen kann. In waldreichen Regionen wie dem Westerwald ist dieser Gedanke seit Generationen präsent – und beginnt immer stärker, wirtschaftliches Handeln zu prägen.
Ein Beispiel dafür ist die Westerwald-Brauerei in Hachenburg, die seit fünf Generationen geführt wird und seit Herbst 2021 als klimaneutral durch Kompensation gilt. Das Ziel dahinter ist klar:
„Den gleichen Betrag, den wir für Emissionszertifikate ausgeben, wollen wir jährlich in konkrete Projekte im Westerwald investieren.“
Bis 2030 will die Brauerei ohne Zukauf von Zertifikaten klimaneutral sein.
160 Jahre Brautradition – und ein notwendiger Kurswechsel
Seit rund 160 Jahren wird in Hachenburg Bier gebraut. Wie viele mittelständische Brauereien bekam auch Hachenburg die Veränderungen des Biermarktes deutlich zu spüren. Die Antwort der jungen Geschäftsführung: sich bewusst positionieren – wie ein Baum, der im Schatten großer Stämme seinen eigenen Weg zum Licht findet.
Das bedeutet heute:
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Festhalten an einer traditionellen, langsamen Brauweise, trotz moderner Technik
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konsequente Qualitätsmaxime – inklusive längerer Lagerzeiten, die wirtschaftlich „teuer“ sind
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Zertifizierung als Slow Brewing-Brauerei und Mitgliedschaft im Werteverband der Slow Brewer
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Einsatz von deutschen Aromahopfen und Überarbeitung der Rezepturen
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bevorzugt regionale und deutsche Rohstoffe
Parallel dazu öffnet man sich bewusst für Neues: Innovationsgeist, Lust auf Veränderungen – und eine konsequente Digitalisierung in Produktion, Technik, Lager, Verwaltung und Controlling.
Gemeinwohl, Klimaschutz und „keine halben Sachen“
Die Westerwald-Brauerei orientiert sich an der Gemeinwohl-Ökonomie und legt eine Gemeinwohlbilanz vor – als strategische Basis für nachhaltiges und ethisches Wirtschaften.
Klimaneutralität bezieht sich hier nicht nur auf das Bier im Tank, sondern auf das gesamte Unternehmen:
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Herstellung der Produkte
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sämtliche Dienstleistungen
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alle relevanten Emissionsquellen – vom Sudhaus bis zur Logistik
Braumeister Maik Grün bringt es auf den Punkt:
„Wir machen keine halben Sachen.“
Umweltengagement ist kein neues Thema in Hachenburg:
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1985: Bundesumweltschutzpreis
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1991: Gründung des Hachenburger Umweltschutzfonds zur Förderung regionaler Projekte
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stetige Investitionen in Energieeffizienz und ressourcenschonende Produktion
Ergebnis: Der CO₂-Fußabdruck der Brauerei wurde in den vergangenen Jahren bereits um 50 % reduziert. Wichtige Bausteine:
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neue Kälte- und Dampfkesselanlage (2017)
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neues Sudhaus (Inbetriebnahme Ende 2020)
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Optimierung der Gebindestruktur
Ein besonders wirksamer Schritt war die Umstellung von der extern gefüllten Bügelflasche auf die neue Drittel-Flasche, die direkt in Hachenburg abgefüllt wird. Damit entfallen Voll- und Leergut-Transporte – und damit viele Tonnen CO₂.
Auch die Dose hat ihren Platz: Für entferntere Märkte ist sie – ab einer bestimmten Distanz – tatsächlich die ökologisch sinnvollere Variante, weil sie leichter, transportschonender und gut recycelbar ist.
Zwischen Wald, Wandel und Wertschätzung
Der Klimawandel ist keine abstrakte Zukunftsfrage mehr – er verändert Wälder, Landschaften, Rohstoffe und damit auch die Bierlandschaft. So wie manche Baumarten mit den neuen Bedingungen kämpfen, werden sich auch Bierstile, Rohstoffquellen und Produktionsweisen verändern.
Die Westerwald-Brauerei antwortet darauf nicht mit „mehr vom Gleichen“, sondern mit einem klaren Fokus auf qualitatives Wachstum:
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Klimaneutralität aus eigener Kraft
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regionale Wertschöpfung
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biologisch und nachhaltig erzeugte Rohstoffe
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langfristige Partner in der Region
All das steigert die Wertigkeit des Bieres – und hat zwangsläufig seinen Preis.
Am Ende entscheidet aber nicht nur die Brauerei, sondern auch der Mensch am Regal.
Wer zu regionalen, hochwertig gebrauten Bieren greift, unterstützt genau diese Entwicklung – weg vom reinen Mengenwachstum, hin zu Haltung im Glas.
Manche Dinge brauchen Zeit.
Für andere – wie ein entschlossener Klimakurs – ist es höchste Zeit.