Wildes Bier

Uralt und doch ganz jung – in Grafing steppt der Bär
Wildbräu: fast 1.000 Jahre Geschichte – und aktueller denn je


Berlin im Dezember.
Kalt. Nass. Hektisch. Ich eile durch Prenzlauer Berg, bereit für das warme Zuhause – bis ich abrupt stehenbleibe:

Ein Späti. Ein Stapel Kisten. Ein Name darauf: WILDBRÄU.
Ein Helles aus Grafing in Oberbayern. Zwischen Augustiner und Tegernseer steht da diese Doppelreihe. Der Verkäufer nickt:
„Das hat hier seine Stammkunden.“

Ich nehme eine Flasche mit – und ahne nicht, dass ich einen der ältesten Familienbetriebe Bayerns in der Hand halte. Das Bier selbst überrascht: frisch, würzig, harmonisch hopfig. Kein müder Klassiker, sondern lebendig.

Ich will mehr wissen.


Wildbräu – eine der ältesten Brauereien der Welt

Grafing liegt 40 Minuten östlich von München.
Seit 1060 wird hier nachweislich Bier gebraut – eine der drei ältesten Brauereien Bayerns.

  • 1205: Grafing erhält das Recht, Bier auszuschenken

  • 1430: Die Stadt bekommt den Bären im Wappen

  • 1857: Die Familie Schlederer übernimmt die Brauerei

  • 2018: Gregor Schlederer führt Wildbräu in 7. Generation

Wildbräu ist also fast 1.000 Jahre alt – und gleichzeitig jung wie nie.


„Ein fast 1000-jähriges Start-up“

Gregor Schlederer ist nicht nur Bräu.
Er ist Dynamik, Identität und Zukunft.

  • Studium der Brautechnik und Betriebswirtschaft in Weihenstephan

  • Arbeitserfahrung in Kanada und New York

  • Heute führt er ein Team von 18 Mitarbeitenden

  • Seine Philosophie: Regionalität + Frische

Über ein Drittel der Gerste baut Wildbräu selbst an.
Der Rest kommt von Partnern in der unmittelbaren Umgebung.
Hopfen aus der Hallertau.
Die Biere bleiben im Radius von 30 Kilometern – Frische zählt.

2018 fasst Gregor Mut: Wildbräu soll bayerischer und ehrlicher werden.
Die Folge: Das Helle wächst seitdem um über 120 Prozent.

Jung. Mutig. Erfolgreich.


Weltklasse: Wildbräu räumt ab

London, World Beer Awards.
Und Wildbräu tritt nicht einfach an – es gewinnt:

  • Gold für das Festbier

  • Silber für den Meistersud

Die Geschichte dahinter passt perfekt zur Brauerei:

Das Festbier war bei Volksfesten so beliebt, dass Hamsterkäufe begannen.
Seitdem gibt’s das Bier ganzjährig – als Heimatbier.

Der Meistersud?
Kräftig, charaktervoll, „wie ein Laib Brot“, sagt Gregor.
Und ja – das trifft es.


Wie Wildbräu nach Berlin kommt

Wildbräu verkauft nur ab Brauerei.
Wie landet es also im Prenzlauer-Berg-Späti?

Ganz einfach:
Ein Ukrainer besucht Wildbräu, verliebt sich in das Bier – und bringt regelmäßig einen LKW voll nach Berlin.
Seitdem stehen dort Kisten, und Berliner Stammkunden schwören auf den Bären.

Biergeschichten entstehen nicht im Marketing.
Sie passieren – wenn Menschen begeistert sind.


Fazit

Wildbräu ist die perfekte Verschmelzung aus Tradition und Zukunft:

  • 1060 gegründet

  • heute von einem 31-Jährigen geführt

  • regional, frisch, authentisch

  • ausgezeichnet auf Weltniveau

Wer meint, ein Helles sei „nur ein Helles“, sollte es in Grafing trinken.
Dort steppt der Bär – und das ganz ohne Show.

Und ich?
Ich bin froh, dass ich an diesem Späti stehen blieb.
Denn manchmal steckt in einem simplen Bierkarton die Geschichte einer ganzen Stadt.